100 Jahre Kärntner Volksabstimmung Aktuelles (Fortsetzung)
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Ein Rückblick: Volksabstimmung 1920 - Das Eldorado der Kärntner Windischen. 10.10.1920   Die Kärntner Volksabstimmung vom 10.10.1920 kann als Eldorado der Kärntner Windischen bezeichnet werden.  Allerdings werden auch die „ Kärntner Slowenen“ in der pro-österreichischen Kärntner Abstimmungspropaganda nicht negativ dargestellt oder gar isoliert. Es wird vielmehr versucht, bei den Kärntner „Slowenen“ auf das Zu- sammengehörigkeitsgefühl zu appellieren und sie für „ein einig Volk von Brüdern und Schwestern“  zu gewin- nen. Man will ihnen das slowenische Nationalbewusstsein ausreden und sie ebenfalls zu deutschfreundlichen Windischen machen. Das wichtigste Organ der schriftlichen Propaganda ist die Kärntner Landsmannschaft. Auszüge aus der Kärnt- ner Landsmannschaft beweisen, dass die Zeit der Kärntner Volksabstimmung als Eldorado der Kärntner Windi- schen zu gelten hat. Auch die jugoslawische Propaganda unterscheidet, allerdings mit anderen Vorzeichen, streng zwischen den „Slowenen“ und ihren sprachverwandten Gegnern, den Windischen. Die Kärntner Windischen in der Kärntner Propaganda 1918-1920: „Unter unseren Landsleuten, Deutschen und Windischen, findet heute der Wahlspruch „Kärnten den Kärntnern“ wohl den meisten Anklang. (…) Die Südslawen haben den Satz geprägt „Kein Slowene darf dem SHS verloren gehen“. (…) Einzelne Grenzschieber erklären dieses Land (gemeint ist Südkärnten mit Klagenfurt und Villach) deshalb für slawisch, weil zwei Drittel der Bewohner slowenisch sprechen können. Unsere Windi- schen wissen, dass dieses Slowenisch gar nicht das Neuslowenisch der Krainer ist, dass die meisten von ihnen nicht Neuslowenisch verstehen, ja nicht einmal das sogenannte Krainerisch. Auch die Kärntner Slowenen sprechen größtenteils dieses Windisch. (…) Neuester Zeit gehen die Deutschkärntner, denen sich auch die deutschfreundlichen Windischen angeschlossen haben, daran, die Eindringlinge aus Kärnten hinauszuwerfen. “ (KLM Nr. 1, 9.1.1919). „Sie sprechen neben dem Deutschen, dessen Kenntnis sie für unbedingt notwendig halten, einen slowenisch- deutschen Mischdialekt, das Windische, das nur eine entfernte Verwandtschaft mit dem Slowenischen aufweist. Zum Großteile ist ihnen das in Krain gesprochene Neuslowenisch auch unverständlich“ (KLM Nr. 2, 16.1.1919). „Darum hat schon der Kärntner Landtag am 17. August 1848 gegenüber einem im österr. Reichsrat eingebrach- ten Antrag auf Teilung Kärntens einstimmig beschlossen, dass die Kärntner, ob windisch oder deutsch, bisher ein einiges Volk waren und es bleiben wollen und dass die Verschiedenheit der Sprachen nie ein trennendes Element ihrer Zusammengehörigkeit sein soll“ (KLM Nr. 6, 13.2.1919). „Die Kärntner waren in erster Linie immer Kärntner, dann erst Slowenen oder Deutsche. So werden auch die Kärntner Slowenen nicht als Slowenen oder gar als Jugoslawen, sondern als Kärntner die Entscheidung beim Plebiszit treffen“ (KLM  Nr. 38, 18.2.1920). „Seit dem Einbruch der Türken in Kärnten vor nahezu 600 Jahren hatten unsere Vorfahren  ihr ganzes Leben bis zu uns Nachkommen in Frieden und geordneten Staatsverhältnissen gehaust. (…) Dann gingen die Jugoslawen gleich den Janitscharen  auf Raub in unsere Heimat aus. (…) Weder Heimat, noch die nationale Verwandtschaft verknüpft uns Windische und Deutsche mit dieser entarteten Gesellschaft, von der wir niemals eine Gerechtig- keit zu erwarten haben. (…) Wir Windische und Deutsche in Kärnten aber wollen und werden das alte, freie Volk bleiben, das wir seit Jahrhunderten in Eintracht gewesen sind!“ (KLM Nr. 68, 14.9.1920). „Mir Windischn im Karntnerland! Mir seimer Karntnar Windische und nit – wia dös – Slowenar! Gebts uns an Fried, lasst uns in Ruah und geht’s lei hamzua dennar. Mir seimer Karntnar Windische, und dös: Krowatn, Serben, Kraner! Dös seits nit unsre Brüader nit. Na! Kaner, kaner, kaner! (…) Dö Deutschen und mir Windischen, mir haltn zam wia Eisen und lassn unser Karntnerland, per mej dusch! Uns nit zerreißn!“ (KLM Nr. 40, 3.3.1920). „Mir seint nix slawisch, mir seint lei Windische“, mit diesen Worten wird man entrüstet  Antwort bekommen, wenn man z. B. unsere Gailtaler als Slawen anspricht. Jugoslawen darf man ihnen schon gar nicht sagen, denn das wäre für sie eine arge Beleidigung und trüge demjenigen, der solche Worte im Mund führt, unter Umständen Prügel ein. So wie die Gailtaler  Windischen, die sich zu Ende 1918 als die ersten gegen die eingedrungenen Jugoslawen erhoben und sie aus Arnoldstein vertrieben, so denkt die Mehrheit unserer aufgeweckten windi- schen Landsleute. (…) Heute drängen sich der fremde Krainer und die Serben zwischen die Kärntner. Sie ver- hetzen Windische und Deutsche gegeneinander, die sich friedlich durch ein Jahrtausend so gut vertragen hat- ten. Auf allen Tabors und südslawischen Festrummeln fluchen und wettern die bezahlten fremden Hetzer gegen die Deutschen: „Die schwarze Erde soll sie verschlingen, die Deutschen und die Nemtschurji!“. Die Nemtschurji sind jene Windischen, die sich gegen die Kärntner Deutschen nicht aufhetzen lassen, weil sie sagen, die Villacher, Klagenfurter und Wolfsberger Deutschen stehen uns viel, viel näher als die Krainer, Kroaten und Serben“ (KLM Nr. 57, 3.7.1920). „ Weder Heimat, noch eine nationale Verwandtschaft verknüpft uns Windische und Deutsche mit dieser ent- arteten Gesellschaft, von der wir niemals eine Gerechtigkeit zu erwarten haben! Im Handumdrehen ersetzen sie die alte Ordnung unserer Verwaltungseinrichtungen durch eine echt balkanmäßige Wirtschaft, deren Spitzen in unbeschränkten Terror die deutschgesinnte Bevölkerung bedrücken. (…) Wir Windische und Deutsche in Kärnten aber wollen und werden das alte, freie Volk bleiben, das wir seit Jahrhunderten in Eintracht gewesen sind“ (KLM Nr. 68, 14.9.1920). „ Das Verhältnis zwischen uns Windischen und Deutschen in Kärnten ist so selbstverständlich und natürlich, wie die Blutsverwandtschaft zweier Brüder in der Familie. Kein Wort des Hasses hin, keine feindliche Gebärde zurück. (…) Wir Windischen und Deutschen verharrten niemals auf dem nationalen Standpunkt. Wir haben untereinander gefreit und geheiratet. So wurden wir ein Volk. Schulter an Schulter gingen wir zusammen wider unseren Feind, den Tschuschen. (…) Der Beweis für unser friedliches Auskommen sind die Jahrhunderte!“ (KLM Nr. 76, 4.10.1920). Mit Hinweis auf das Windische wurde im Jahre 1920 eine erste realistische Version der Kärntner Landeshymne  von der Gutsfrau Vera Schludermann, geb. Edelmann, die den Abwehrkampf und die Volksabstimmung auf Schloss Saager hautnah miterlebte, verfasst: 1 „Heimatlied Ob deutsch, ob windisch ist der Sang, er hat doch echten Kärntner Klang. Der Heimat treu in schwerer Zeit, geduldig tragen wir das Leid. Bis dass das Recht mit starker Hand uns schafft ein freies Kärntnerland.“ Anmerkung:  Aus diesen Zitaten ergibt sich, dass bereits vor der Volksabstimmung 1920 die Kärntner Propagandisten davon ausgegangen sind, dass für einen österreichischer Sieg  die „Windischen“ entscheidend sein würden. Dies ist offensichtlich auch eingetreten. Der informierte Historiker Andreas Moritsch meinte, dass unter den damaligen Windischen „am ehesten Öster- reicher“ zu finden wären. Weder die Kärntner Deutschen noch die Kärntner Slowenen waren nämlich in ihrem extremen Ethnozentrismus in der Ersten Republik gewillt, sich mit der Nation Österreich anzufreunden. 2 1 https://klagenfurt.gruene.at/wo-bleibt-die-gedenktafel-fuer-den-dichter-thaurer-ritter-v..., Abruf: 2.10.2018. 90 Jahre Kärntner Heimatdienst, Eine Dokumentation, 2010, S. 24. 2 Andreas Moritsch, Austria-Slovenica. Die Kärntner Slowenen und die Nation Österreich, Klagenfurt, 1996,  S. 24 ff.