Hanzi Filipič und Peter Pirker attackieren Josef Lausegger – wie lange noch?

Info Nr. 91

Am 18. 12. 2025 präsentiert Wilhelm Wadl, Direktor des Kärntner Geschichtsvereins, die neue Ausgabe der Carinthia I 2025. Die Publikation enthält neben Wadls grundlegendem Beitrag „Historische Landeskunde und Erinnerungskultur – ein Konfliktfeld“ auch eine bemerkenswert aggressive Replik des Autors Hanzi Filipič (Hermagoras-Bruderschaft). Sie richtet sich gegen meinen Aufsatz „Das Kärntner Jahr der Erinnerungskultur 2025 – eine kritische Vorschau“, erschienen in der Carinthia I 2024.

Ausgangspunkt der Kontroverse ist meine Feststellung, dass das Massaker am Peršmanhof vom 25. April 1945 – oder war es der 24. April 1945? – historisch keineswegs abschließend geklärt ist. Daraus folgt zwingend, dass das Museum Peršman, getragen vom Kärntner Partisanenverband, keine gesicherte historische Rekonstruktion, sondern ein legendenförmiges Deutungsangebot präsentiert. Entscheidend ist: In meinem Beitrag wird die dunkle Seite der Partisanenbewegung ausdrücklich thematisiert. Genau das provoziert bis heute wütende Abwehrreaktionen.

Der Geschichtsverein veröffentlicht die Replik Filipičs erklärtermaßen, um einen Dialogprozess anzuregen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine feindselige Polemik, die sich durch unbelegte Pauschalbehauptungen, selektive Zitierung und persönliche Unterstellungen auszeichnet. Ich habe daher bereits am 17. 12.2025 eine sachkundige und detaillierte Stellungnahme an Hanzi Filipič übermittelt. Seine Antwort vom 18.12.2025 fällt jedoch uneinsichtig und unversöhnlich aus – ein ernsthafter Dialogwille ist nicht erkennbar1.

Diese Eskalation überrascht umso mehr als Hanzi Filipič, Bediensteter der slowenischen, kirchlichen Hermagoras-Bruderschaft, über Jahre hinweg selbst als profilierter Kritiker einer einseitigen linken Partisanen-Geschichtsschreibung galt. Wir haben gemeinsam an der Publikation „Titos langer Schatten“ mitgearbeitet, mit der der Bomben- und Geheimdienstterror im Kärnten der 1970er-Jahre weitgehend aufgeklärt werden konnte2. Differenzen klärten wir damals im persönlichen Gespräch – freundschaftlich bei einer Tasse Kaffee. Der abrupte Wandel Filipičs im Kärntner Gedenkjahr 2025 wirft daher Fragen auf. Ob institutionelle Loyalitäten oder Landesförderungen dabei eine Rolle spielen, mag offenbleiben. Faktum ist: Er verteidigt heute Positionen, die er früher selbst kritisiert hat. Nicht zuletzt die Tatsache, dass sein ehemaliger Direktor zumindest mit einer sehr aktiven Agentin des slowenischen kommunistischen Geheimdienstes UDBA familiär verbunden war, könnte den Hermagoras-Bediensteten zu einem Umdenken bewogen haben. Mein Hinweis, dass sich die UDBA auch für ihn interessiert habe, findet Filipič in seinem Antwortschreiben amüsant.

Mit seiner Replik in der Carinthia I 2025 stärkt Filipič jenen Kreisen den Rücken, die die Tito-Partisanen ausschließlich in ein positives Licht rücken wollen und jede Problematisierung als „rechts“ diffamieren. Seine „Giftpfeile“ werden inzwischen gezielt gegen mich eingesetzt, um mich öffentlich zu diskreditieren oder mundtot zu machen. Besonders gravierend ist der Vorwurf, ich hätte eine „bewusst falsche Übersetzung“ geliefert. Damit erfüllt Filipič objektiv den Tatbestand der üblen Nachrede. Seine Kritik basiert auf selektiven Verkürzungen meiner Texte und dem Weglassen zentraler Passagen. Eine detaillierte Offenlegung dieser Manipulationen wird folgen.

Besonders entlarvend ist Filipičs Verteidigung des historisch hochbelasteten Begriffs „Volksgemeinschaft“ (narodna skupnost). Er behauptet, dieser Begriff habe im Slowenischen keinen nationalsozialistischen Kontext. Filipič blendet aus, dass die slowenischen Domobranci mit den Nationalsozialisten kooperierten und Slowenisch gesprochen haben. Bereits in meinem Aufsatz erklärte ich mit Hinweis auf den Politikwissenschaftler Samuel Salzborn allgemein verständlich, dass eine Befreiung der Volksgruppen- und Volksgemeinschaftsidee vom nationalsozialistischen Kontext nicht möglich ist. Der Begriff ist nicht sprachlich, sondern ideengeschichtlich kontaminiert3. Ebenso ignoriert der nationalbewusst eingestellte Filipič, dass selbst der vormalige NS-Volksgruppentheoretiker Theodor Veiter sogar den Begriff „Volksgruppe“ systematisch durchforsten wollte, um Verdächtigungen wegen des Aufwärmens nazistischer Begriffe aus dem Weg zu gehen. Das aktuelle Festhalten daran ist Ausdruck eines völkisch-nationalen Denkens, das ich – ob deutsch oder slowenisch – seit Jahrzehnten kritisiere.

Es ist dies ein klares Indiz für das völkisch-nationale Bewusstsein des Hermagoras-Bediensteten Hanzi Filipič, welches von mir aus historischen Gründen abgelehnt wird. In meinen Beiträgen thematisiere ich daher seit Jahrzehnten nicht nur die Schattenseite der Tito-Partisanen, sondern auch die dunkle Seite des slowenischen und des deutsch-völkischen Nationalismus. Meine operativen Erfahrungen in der Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria in der Zeit des Kalten Krieges lehren, dass völkischer Nationalismus durch einen europäischen, multiplen Regionalismus ersetzt werden muss. Mit meiner pazifistischen Arbeit leiste ich sowohl den Slowenisch-Nationalen als auch den Deutschnationalen ehrenamtlich demokratischen Widerstand.

In diesem Kontext teilte mir Hanzi Filipič, Redakteur des Hermagoras-Verlages, am 18.12.2025 schriftlich mit, dass er in seiner Replik in der Carinthia I 2025 sachlich argumentiert und seine Argumente allesamt belegt hätte. Diesbezüglich werde ich den vom Geschichtsverein geplanten Dialogprozess aufnehmen und meine vollständige Stellungnahme vom 17.12.2025 gelegentlich zur Diskussion stellen.

Diese Frontstellung verschärft sich weiter durch das öffentliche Auftreten des Historikers Peter Pirker, Bediensteter des Kärntner Landesmuseums. Am 17.11. 2025 tritt Pirker bei einer Antifa-Diskussion in Wien inhaltlich deckungsgleich mit der Replik Filipičs auf. Wolfgang Muchitsch sei laut Pirker im Jahre 2023 Museumsdirektor geworden. Damit sei eine gewisse personelle Kontinuität, die es in Kärnten gegeben hat, aufgebrochen worden. Muchitsch habe in seiner Personalpolitik etwas verändert. Er habe Leute ins Museum geholt, die in dieser Art und Weise vorher im Museum wahrscheinlich nicht arbeiten hätten können. Pirker berichtete „wie verrückt eigentlich die Situation in Kärnten gewesen ist und wie provinziell die Situation in Kärnten ist“. Leopold Wagner sei laut Pirker, auch ein ehemaliger Nazi, ein NSDAP-Mitglied gewesen (anzumerken ist, dass das quellenmäßig nicht untermauert ist).
In der Carinthia I seien „sehr, sehr wenige“ slowenischsprachige Artikel erschienen, bemerkt Pirker kritisch und bedenkt dabei nicht, dass er diese Artikel gar nicht lesen könnte. Das Geld werde in Kärnten momentan völlig falsch verteilt. Er habe gemerkt, dass betreffend Perschmann „von dieser konservativen bis rechts rechten, auch rechtsextremen Seite an einem Gegenentwurf gearbeitet“ wird. (Damit war Lauseggers Aufsatz in der Carinthia I 2024 gemeint!) Pirker sprach von „wirklichen Manipulationen“, denen man entgegentreten müsse, wenn es sein muss, auch auf rechtlichen Ebenen. Man werde das nicht mehr hinnehmen können, glaubt er. Besonders infam ist seine persönliche Diffamierung meiner Person. Laut Transkript der Diskussion im „Depot – Kunst und Diskussion“ in Wien sagte Pirker wörtlich: „Also die konkrete Person, um die es hier geht, die ist der ist Jurist. Ja aber kein Historiker und er hat, glaube ich, auch nie einen Grundkurs äh im äh Zitieren äh also Grundhandwerk eine Historikers gelernt. Er kann nicht zitieren, er zitiert falsch, er erfindet Zitate. Er übersetzt falsch. Es ist wirklich ein Grauen, ja, ähm, und wird aber trotzdem ähm als Historiker gehandelt“.4 Der deutschsprachige Historiker Peter Pirker kritisiert somit die Übersetzung eines zweisprachigen Juristen mit Lehramtsprüfung für Slowenisch und jahrzehntelanger Übersetzungspraxis. Das sind nur wenige unfassbare Wortfetzen des Landeshistorikers Peter Pirker.

Angesichts dieser öffentlichen Entgleisungen und Diffamierungen des Landes Kärnten, des Geschichtsvereines für Kärnten und eines (ehemaligen) Kollegen müsste Pirker eigentlich ein Disziplinarverfahren erwarten. Dass dies bislang nicht geschieht, verweist auf seine institutionelle Absicherung durch einflussreiche Förderer.

Das könnte sich ändern. Ein Gegengewicht bildet die am 5. November 2025 mit politischer Unterstützung beschlossene Resolution „Für die Erhaltung des Friedens im Lande“, getragen von der Kärntner Konsensgruppe und dem Kärntner Heimatdienst. Der Kernsatz dieser pazifistischen Resolution, die die Kärntner Medien bislang ignorieren, lautet: „Bei aller Berechtigung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus dürfen aber die Schattenseiten dieses Kampfes in Bezug auf die Nachkriegsgeschichte – gerade im Erinnerungsjahr 2025 – nicht außer Acht gelassen werden. Dazu gehört auch die maßlose Übertreibung der militärischen Bedeutung des Kärntner Partisanenwiderstandes“.5

Diese Resolution bestätigt meine langjährige ehrenamtliche Informationsarbeit. Auch im kritisierten Artikel in der Carinthia I 2024 habe ich die dunkle Seite der Partisanengeschichte trotz heftiger Angriffe nicht ausgeblendet. Die Resolution kommt allerdings viel zu spät. In derselben Publikation wird nämlich zutreffend festgestellt, dass das Erinnerungsjahr 2025 als eines in die Geschichte eingehen wird, in dem viel gegenseitiges Vertrauen zerstört wurde6.
Wer dafür Verantwortung übernimmt, bleibt offen. Meine Kritiker Peter Pirker und Hanzi Filipič werden sich wohl auf ihre Vorgesetzten berufen.

Die genannte Resolution wurde von nachstehenden Personen unterzeichnet:

  • Lt. Präs. Andreas Scherwitzl
  • KO Lt. Abg. Erwin Angerer
  • Lt. Abg. Herbert Gaggl
  • GR Dr. Andreas Skorianz
  • NRAbg. Wendelin Mölzer
  • LH a. D. Gerhard Dörfler
  • DDr. Karl Anderwald
  • Prof. Dr. Wilhelm Wadl
  • Doz. Dr. Hellwig Valentin
  • Dipl.-Ing. Karl-Heinz Moschitz
  • Hanspeter Traar (KAB)
  • Franz Jordan (KHD)
  • Dr. Marjan Sturm
  • MER a. D. Andreas Mölzer

Die Unterzeichner appellieren ausdrücklich an den Kärntner Landtag, den Landeshauptmann, die Landesregierung und die Zivilgesellschaft Kärntens, an einer Erinnerungskultur, ohne rechte und linke Scheuklappen zu arbeiten – und erklären ihre Bereitschaft dazu.

Der abschließende Appell der Resolution stimmt mich hoffnungsvoll. Ich gehe davon aus, dass Kärnten in absehbarer Zeit eine seriöse Wahrheits- und Versöhnungskommission benötigen wird – und dass ihr Zustandekommen unausweichlich ist.

 

 

1 Privatarchiv Josef Lausegger, Briefverkehr mit Mag. Hanzi Filipič.

2 Alfred Elste / Wilhelm Wadl, Titos langer Schatten. Bomben- und Geheimdienstterror im Kärnten der 1970er Jahre. Unter Mitarbeit von Hanzi Filipič und Josef Lausegger, Klagenfurt 2015.

3 Samuel Salzborn, Ethnisierung der Politik, Frankfurt/Main 2005, S. 204 f.

4 Siehe https://www.youtube.com/live/liVyiUi8dH0?si=dSemM6cLwAWfRj8v, Abruf: 20.11.2025.

5 Der Kärntner, hrsg. vom Kärntner Heimatdienst, Nr. 6/2025, S. 6 f.

6 Ebd., S. 9.