Innenminister Gerhard Karner besuchte das Museum Peršman…

Info Nr. 94

19.2.2026  Perschmann – Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) besucht mit Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) den Peršmanhof in Bad Eisenkappel/Zelezna Kapla. Der Minister wolle sich selbst einen Eindruck von einer zentralen Gedenkstätte des slowenischen Widerstandes machen, sagte ein Sprecher zur APA (Hinweis: Die Teilnahme des Landeshauptmannes wurde vom ORF angekündigt)
Zu dem nicht medienöffentlichen Lokalaugenschein des Ministers ist auch Bernard Sadovnik1, ein Nachfahre der Familie, die einst dort lebte, eingeladen.

Kritik am geplanten Besuch kam von Seiten der FPÖ. Ein halbes Jahr nach dem Polizeieinsatz gegen das Antifa-Camp suche der Minister „die Nähe zu jenen, die Gesetze missachtet“ hätten, während er seine eigenen Beamten im Regen stehen lasse, kritisierte Sicherheitssprecher Gernot Darmann und forderte eine Entschuldigung Karners gegenüber den Polizisten, die „seit Monaten Opfer einer beispiellosen Kampagne, sozialer Ächtung und medialer Vorverurteilung“ seien. (…)

Der Peršmanhof war 1945 Schauplatz eines Massakers an Angehörigen der slowenischen Volksgruppe durch Mitglieder eines SS-Polizeiregiments.2 Der Polizei-Großeinsatz an der Gedenkstätte – begründet mit dem Verdacht von Verwaltungsübertretungen durch falsch aufgestellte Zelte – hatte für massive Kritik gesorgt – auch aus Slowenien, berichtete ORF-Kärnten.3
In seiner Rede im Zuge des politischen Aschermittwochs kritisierte der Kärntner Landesparteiobmann Martin Gruber (ÖVP) Innenminister Karner vor seinem Besuch der Gedenkstätte: „Es ist auch ein Innenminister, der mich grantig macht, der zwar morgen den Peršmanhof besuchen wird, aber nicht die betroffenen Polizisten, die damals im Einsatz waren. Und das sind Dinge, die mich grantig machen.“

Karner hatte dem am Donnerstag wenig entgegenzusetzen. Seinen Besuch der Gedenkstätte wolle er medial nicht kommentieren, aus Respekt gegenüber den Opfern des Massakers am Peršmanhof. Als Innenminister sei er für Gedenkstätten im ganzen Land zuständig. Dieser Aufgabe komme er gerne nach und werde auch Martin Gruber treffen, sagte Karner. Zuständig sei der Innenminister auch für die Polizei, die nach dem Einsatz in der Kritik stand. Auch das Ö1-Mittagsjournal berichtete über die Causa. Bericht von Tanja Malle.4 Malle – sie ist auch in der Initiative Domplatz engagiert – pflegt aus der Perspektive des Partisanenverbandes zu berichten. In Österreich werde der Antifaschismus nicht mit dem Kampf für Demokratie identifiziert, sondern „mit Gefahr und Extremismus. Viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst, dass der Antifaschismus der Kampf für Demokratie ist und dass die Antithese des Antifaschismus eigentlich der Faschismus ist“, so die ORF-Moderatorin Malle.5 Nach dieser traditionellen These der Tito-Partisanen wurden Gegner des Titoismus als „Faschisten“ behandelt und streng bestraft.6 Es wird weiterhin (erfolglos) versucht, Personen, die die dunkle Seite der Partisanen aufzeigen, strafrechtlich (Verbotsgesetz) zu verfolgen. Eine freie Meinungsäußerung wird diesen wahrheitssuchenden Personen nicht zugestanden. Beispielsweise hätten die Kärntner Historiker Avguštin M. und Valentin S. unter dem Deckmantel der „Wissenschaftlichkeit“ in der Radiosendung Obzorje Agora am 11.10.2011 versucht, den Autor Rulitz und sein Buch „Die Tragödie von Bleiburg und Viktring“ zu disqualifizieren. Dem Autor wurde es nicht ermöglicht, seine Position zu verteidigen. Er wurde von der Sendung nicht einmal in Kenntnis gesetzt. „Das erinnert mich sehr an die Methoden totalitärer Regime. (…) Und die beiden Historiker haben die totalitäre dunkle Seite der Partisanenbewegung und später des kommunistischen Regimes übersehen“, lautete die Kritik des katholischen Historikers Hanzi Filipič.7
Ähnliche Fälle häufen sich.  

Die Causa Perschmannhof droht zu eskalieren. „Und wenn der Botschafter (Sloweniens) im Fall Peršmanhof schon die Geschichte bemüht: Bis heute hat sich kein jugoslawischer oder slowenischer Politiker jemals für die Ermordung, Enteignung und Vertreibung der deutschen Untersteirer entschuldigt“, kritisiert Hans Winkler, stellvertretender Chefredakteur i.R. der Kleinen Zeitung.8
Auch innerhalb der slowenischen Minderheit existieren unterschiedliche Positionen. Der Kärntner slowenische Politiker Vladimir Smrtnik beantworte beispielweise die Frage betreffend das „berüchtigte“ Antifa-Camp und die Razzia der österreichischen Polizei wie folgt: „„Diesbezüglich bin ich der Meinung, dass ein Gedenkort und ein Gedenkmuseum keine geeigneten Plätze für ein Camp irgendwelcher extremen Gruppen sind. Die Antifa ist, wie wir wissen, eine äußerst linksextremistische Gruppe. Es geht ihr nicht darum, der tragischen Ereignisse der halbvergangenen Geschichte zu gedenken, sondern um die Schaffung von Spannungen und um das Aufwiegeln gegen alles, was nicht linksextrem ist. (…) Persönlich bin ich bei all diesen historischen Fakten der Meinung, dass die Revitalisierung einer Partisanenmythologie an diesem Ort nicht angebracht ist“.9
Josef Lausegger übermittelte mit Schreiben vom 1.12.2025 dem Innenminister eine Gegendarstellung zum Bericht der Expertinnen- und Expertenkommission mit dem Ersuchen, diese zu veröffentlichen.10

Dazu einige Fakten:
– Das Bundesministerium für Inneres pflegt bereits seit Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Kärntner Partisanenverband und dem Verein/Društvo Peršman. Es gibt ein „gemeinsames Vorgehen“. Andreas Drmola, ein Bediensteter dieses Ministeriums (Abteilung III/S/3 – Historische Angelegenheiten) schilderte anlässlich einer Partisanenfeier in Ebriach am 28. 10.2023 die Kooperation mit dem Partisanenverband wie folgt: „ Die Spuren der verübten Massaker lassen sich auf den Grabsteinen der hiesigen Friedhöfe nachzeichnen. Beispielhaft darf auf die verübten Verbrechen des SS-Polizei-Regiments 13 am nahegelegenen Peršmanhof erinnert werden (…) Die aktive Auseinandersetzung wie auch die Bearbeitung dieser Themenfelder führte mich als Vertreter der Abteilung III/S/3 Historische Angelegenheiten mit Hinblick auf die wahrzunehmenden, erwachsenden edukativen Aufgaben zum Umgang mit „Erinnerungsleistungen“ mit dem Verantwortlichen des Vereines Društvo / Peršman und dem Verband der Kärntner Partisanen zusammen. In ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen konnten Wege eines gemeinsamen künftigen Vorgehens erörtert werden, auch wenn Zuständigkeiten zu den verschiedenen Themen mehrere Ministerien betreffen. Ich darf mich im Namen des Leiters der Abteilung III/S/3 für die bisher erfolgten partnerschaftlichen Koordinierungen und Zusammenarbeit bedanken. Im erfahrenen gegenseitigen wertschätzenden Klima darf ich uns in diesem Sinne zum weiteren Vorgehen viel Erfolg wünschen und mich für die bisherige sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit des Vereins Društvo / Peršman und dem Verband der Kärntner Partisanen mit dem Bundesministerium für Inneres bedanken“.11
Dieses Faktum macht das Verhalten des Innenministers verständlich. Der Besuch am 19.2.2026 verlief ohne mediale Begleitung. Das habe sich nach Ansicht des Vorsitzenden des Društvo Peršman Markus Gönitzer, der im Namen des Vereines den Minister begleitete, retrospektiv als sehr produktiv ausgewirkt. Darüber hinaus wurde Minister Karner im Museum Peršman von Milan Wutte und Nikolaus Orasche empfangen. Die beiden Repräsentanten des Partisanenverbandes stellten die Arbeit ihres Verbandes vor. Bernard Sadovnik, ein Nachfahre der Familie Sadovnik, aber sprach darüber, was die vorjährige polizeiliche Intervention für die Nachfahren bedeutete. An den Minister habe man auch Fragen hinsichtlich der Realisierung der Vorschläge der multiprofessionellen Kommission gestellt. „Er gab zur Antwort, dass wir uns, bitte, noch ein wenig gedulden müssen“, so Gönitzer. Dem Verein Peršman gehe es zunächst insbesondere um die Realisierung des Vorschlages, betreffend eine „Weiterbildung“ der Polizistinnen und Polizisten und des Vorschlages betreffend eine langfristige finanzielle Unterstützung des Vereines Peršman und des Museums Peršman.12

Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit des Innenministeriums mit dem Verband der Partisanen und seinem Museum Peršman mit seinem Sprachrohr, dem Verein/Društvo Peršman, stößt nicht überall auf Zustimmung. Aus demokratiepolitischer Perspektive wäre zu beachten, dass der Kärntner Partisanenverband den Zweck erfüllt, „die antifaschistische und demokratische Gesinnung im Sinne der Tradition und Geschichte des Volksbefreiungskampfes zu stärken“.13 In der historischen Forschung ist dokumentiert, dass der Partisanenverband in der Zeit des Kalten Krieges personell und strukturell in Kontakt mit Akteuren des slowenisch-jugoslawischen Sicherheitsapparates (SDV/Udba) stand. Diese historischen Verflechtungen sind belegt; ihre gegenwärtige Relevanz bedarf jedoch einer differenzierten Prüfung. In der historischen Forschung ist aber auch dokumentiert, dass der slowenisch-jugoslawische Geheimdienst (SDV/Udba) in der Vergangenheit Einfluss auf Organisationen im Umfeld der Kärntner Slowenen ausübte. So wird ein entsprechender Einflussagent erwähnt, der später in die Kommission des Innenministeriums berufen worden sei. Eine solche Personalentscheidung wirft – unabhängig von individueller Schuld- oder Verantwortungszuschreibung – Fragen nach Transparenz, Interessenkonflikten und institutioneller Sensibilität auf.
Darin dürfte der Grund liegen, dass Kärntner ÖVP- und FPÖ-Politiker das Museum Peršman nicht zu besuchen pflegen. Auch innerhalb der SPÖ scheint die Unterstützung nicht uneingeschränkt zu sein, da LH Peter Kaiser bei entsprechenden Anlässen nur von bestimmten Parteikollegen begleitet wird.
Die Grünen, mit Parteiobfrau Olga Voglauer, unterstützen den Verein Peršman uneingeschränkt.14    
– Eine historische Weiterbildung von österreichischen Polizisten seitens des Partisanenverbandes könnte zu demokratiepolitischen Irritationen führen. In diesem Zusammenhang ist die Erklärung der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SAZU) vom 21.2.2021 von besonderer Bedeutung: „Mehrere Jahrzehnte lang wurde die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg von der schwarz-weißen Erzählung über einen Befreiungskampf auf der einen und den Verrätern auf der anderen Seite bestimmt. Für Verbrechen, verursacht im Namen des Befreiungskampfes gab es keinen Platz. Nicht einmal für den Missbrauch des Befreiungskampfes seitens der kommunistischen Führung zwecks Herstellung und Sicherung der eigenen Herrschaft gab es Platz. Mit der Demokratisierung der slowenischen Gesellschaft wurde eine Revision einer solch einseitigen Erzählung (Narrativ), die ideologisch und nicht historisch begründet ist, notwendig. (…) Ein mit der Vergangenheit unbelastetes gesellschaftliches Miteinander kann nur mit der Suche nach der Wahrheit über die Ereignisse in der Kriegszeit und danach erreicht werden“.15 Es besteht daher die ernste Gefahr, dass die österreichischen Polizisten im Falle der von der Kommission des Innenministeriums angeregten Weiterbildung eine ideologisch und nicht historisch begründete Geschichtsauffassung vermittelt bekommen. Ich verweise auch auf meine Information Nr. 93 „Perschmann-Narrativ“. Haben Einflussagenten des slowenischen kommunistischen Geheimdienstes Udba das Perschmann-Narrativ mitgeschrieben? 16 
– Slowenien dürfte im Hinblick auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit slowenischen österreichischen Politikern über die österreichische Innenpolitik ohnehin bestens informiert sein.
Ein Beispiel von vielen: Der österreichische Abgeordnete Karel Smolle wirkte ab November 1990 in Wien als Botschafter Sloweniens. Smolle: „Als Abgeordneter habe ich mein Mandat zurückgelegt, damit ich konkret und direkt einen Einfluss ausüben konnte. Ich war ein guter Informant für Slowenien, für Außenminister Dimitrij Rupel und für den Regierungschef Lojze Peterle, weil ich im Wege über Außenminister Alois Mock einen direkten Kontakt zur Außenwelt hatte…“. Der damalige slowenische Staatspräsident überreichte dem Kärntner slowenischen Politiker Karel Smolle daher den staatlichen Verdienstorden für seinen Beitrag für die internationale Anerkennung Sloweniens vor 30 Jahren. 17Smolle hat auch seinen Nachlass mit „interessanten Dokumenten“ aus seiner österreichischen politischen Funktion dem slowenischen Staat übergeben. Dem slowenischen Archivar kommen dabei auch Papiere in die Hand, in denen familiäre, persönliche oder politische Vertraulichkeiten enthalten sind. Das slowenische Archiv sei außerordentlich dankbar, dass sich Smolle in der Manier eines bewussten Slowenen entschieden hat, seinen archivalischen Nachlass der zuständigen Institution im Mutterland (matična domovina) zu überlassen. Der umfangreiche schriftliche Nachlass Karel Smolles umfasst 111 Archivschachteln.18
– In Slowenien interessieren sich speziell die Staatspräsidentin Nataša Pirc Musar und die Außenministerin Tanja Fajon für den konkreten Ablauf des Polizeieinsatzes. „Ich habe gegenüber den Jugendlichen, die die grobe Aktion der Polizei erlebt haben, meine Solidarität und Unterstützung ausgedrückt“, berichtete die Sozialdemokratin Fajon bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit LH Peter Kaiser. Kaiser versprach bei dieser Gelegenheit, dass es nun für das Peršman-Museum einen Drei-Jahres-Vertrag vom Land geben werde, der für mehr Planungssicherheit sorgen sollte.19
Fajon gehört der Sozialdemokratischen Partei (SP) an, vormals war dies der Bund der Kommunisten. Nataša Pirc Musar wurde bei ihrer politischen Laufbahn von allen drei vorherigen Staatspräsidenten Milan Kučan, Janez Drnovšek und Danilo Türk gefördert.20 Diese Politiker bekleideten hochrangige Funktionen im früheren Bund der Kommunisten. Slowenische Anti-Kommunisten bezeichnen Kučan und ehemalige Udba-Agenten als „strici v ozadju“ (Onkel im Hintergrund), die (angeblich) weiterhin die Politik Sloweniens entscheidend beeinflussen können. Der sozialdemokratische Matjaž Nemec nützte als EU-Abgeordneter den Kärntner Polizeieinsatz für einen „langen Brandbrief“ gegen Österreich. Der Abgeordnete sei auch für seine Hass-Attacken gegen Israel bekannt. Die Eskalation-Perschmann sei bereits im Vorfeld geplant worden, meint ein Mitarbeiter im EU-Parlament.21  
– In der Causa Perschmann dürfen also die ideologischen Hintergedanken nicht übersehen werden. In Slowenien fand bekanntlich nach 1991 keine Lustration ehemaliger Funktionsträger des kommunistischen Staats- und Sicherheitsapparates statt. Ehemaliges Personal des slowenisch-jugoslawischen Geheimdienstes SDV (umgangssprachlich: Udba) blieb teilweise weiterhin in ihren Funktionen tätig. Ihr „Arm“ reiche bis in die Gegenwart, heißt es gelegentlich.  
Wie weit dies auch für die Mitarbeiter im benachbarten Ausland gilt, kann nicht beurteilt werden. „In den Jahren 1981 bis 1985 waren innerhalb der Kärntner Slowenen 34 Mitarbeiter des SDV (auch: UDBA) geheimdienstlich tätig. Der slowenische Geheimdienst lancierte bewusst Streit, Misstrauen, Intrigen, Lügen und Eifersüchteleien unter den Kärntner Slowenen. (…)  Von den erwähnten 34 Mitarbeitern waren 17 Kärntner Slowenen“.22 Darüber hinaus gab es eine Anzahl an „Quellen“, also informellen Spitzeln.23
In aktuellen Diskussionen wird zudem die Ansicht vertreten, zumindest eine Person mit einschlägigem geheimdienstlichem Hintergrund sei in die Fachkommission des österreichischen Innenministeriums berufen worden. Diese Annahme ist politisch äußerst brisant und setzt eine sorgfältige, quellenbasierte Verifizierung voraus.  
– Es wird davon ausgegangen, dass die Kärntner Vertreter der slowenischen Minderheit in der Kommission des Innenministeriums (Milan Wutte, Lisa Rettl, Bernard Sadovnik) maßgebend an der Erstellung des Berichtes beteiligt waren. Sie konnten also als Experten der Kommission ihr eigenes Verhalten in der Causa Perschmann beurteilen und Vorschläge in eigener Sache machen. Ebenso wird angesprochen, dass im Kommissionsbericht politisch entscheidende Aspekte – die Anwesenheit einer russischen und einer weißrussischen Aktivistin – keine Erwähnung fanden.24 Dieses Faktum hätte zweifellos sehr viele Fragen aufgeworfen. Auch Organisatoren der Antifa-Camps konnten aufatmen und den Bericht positiv bewerten (s.u.). „In einem persönlichen Gespräch zwischen Kaiser und Innenminister Karner wurde gemeinsam die Errichtung einer Analysegruppe festgelegt. (…) Auf Anraten Kaisers wurde auch die slowenische Volksgruppe in diese Analyse mit eingebunden“, berichtete der ORF-Kärnten.25 Diese Entscheidung kann sowohl als integrativer Schritt verstanden werden als auch – aus kritischer Perspektive – als Ausdruck einer bestimmten erinnerungspolitischen Schwerpunktsetzung im Rahmen des Gedenkjahres 2025.
Die erklärte Absicht des Landeshistorikers Peter Pirker, sich künftig mit dem Strafverfahren gegen Sandor Marton vor dem stalinistischen Volksgericht in Budapest auseinanderzusetzen, findet sich nun inhaltlich im Bericht der Expertenkommission wieder.26
– Auf Initiative von Milan Wutte tagte die Expertenkommission am 8.9.2025 im Museum Peršman. Es fand eine Aussprache mit dem Partisanenverband, dem Verein Peršman und dem Klub slowenischer Studierender Wien statt. Dieser Klub organisierte das Antifa-Camp und war somit unmittelbar vom Polizeieinsatz betroffen.27 Im November 2025 diskutierte der Kommissionsvorsitzende Mathias Vogl mit Organisatoren des Antifa-Camps über die Razzia. Er kritisierte die Initiatoren der Razzia. David Ressmann und Mira Gabriel beurteilten den Bericht der Kommission positiv. Im Bericht werde klargestellt, dass sich das Antifa-Camp und das Museum-Peršman richtig verhalten haben. Die Gesprächspartner setzten sich gemeinsam für eine schnelle Realisierung der Vorschläge der Kommission und für Folgen für die Verantwortlichen der Razzia ein.28 Dem Vorschlag, das Museum des Partisanenverbandes „Museum Peršman“ nachhaltig zu fördern wurde von LH Peter Kaiser unverzüglich entsprochen.

– Maulwürfe sind im Staatsschutz keine Seltenheit. So schaffte es ein islamfreundlicher Staatsschützer, der Informationen an radikalislamische Muslimbrüder weitergegeben hat, bis ins Innerste des Staatsschutzes.29 An Beispielen in den 1970er Jahren, als Kärnten am Rande eines Bürgerkrieges stand, kann man nachvollziehen, wie leicht es dem slowenisch-jugoslawischen Geheimdienst Udba gelang, ihre Mitarbeiter in der damaligen Staatspolizei zu platzieren.30
In diesem Konnex erhält das diplomatische Drängen Sloweniens eine zusätzliche sicherheitspolitische Dimension. Slowenien erwartet nämlich, „dass die zuständigen Organe der Republik Österreichs die Ereignisse transparent untersuchen und glaubwürdige und vollständige Erklärungen über die Gründe, den Verlauf und die Folgen der durchgeführten Polizeiaktion veröffentlichen werden“.31

Von besonderer Relevanz sind aus diesem Blickwinkel die sicherheitspolitischen Aussagen der neuen Leiterin des Verfassungsschutzes, Sylvia Mayer, die in einem Interview hervorhob: „Dass auch Linksextremismus nicht zu vernachlässigen ist, hat der Anschlag auf die Berliner Stromversorgung gezeigt. Zudem sehen wir eine Bedrohung durch staatliche Akteure – durch Spionage, Sabotage und Cyberangriffe. Diese Bedrohung geht von mehreren Staaten aus. Dort will man natürlich wissen, wie sich Entscheidungsträgerinnen und -träger der Republik verhalten und welche Informationen sie haben. Somit sind auch wir Bedienstete im Verfassungsschutz ein Ziel“.32
Aber im Grunde weiß nun niemand, wie die Befehlskette tatsächlich aussah“, fragte Markus Gönitzer vom Verein Peršman neugierig.33 Der Standard konnte in interne Protokolle der Polizei sogar Einblick nehmen.34   
– Es dürfte demnach zwischen dem Innenministerium und dem Verfassungsschutz unterschiedliche Vorgehensweisen geben. Besondere Brisanz gewinnt dabei auch die personelle Dimension. Der stellvertretende Leiter des Landesamts Staatsschutz und Extremismusbekämpfung Kärnten wurde auf eigenen Wunsch und nach massiven, teilweise öffentlichen Anfeindungen, einer anderen Dienststelle zugewiesen.35 In den sozialen Medien – insbesondere in Slowenien – gab es massive Anfeindungen gegen den Polizeijuristen. Zudem filmten sich Teile der Personen, die auch am Antifa-Camp waren, dabei, wie sie einen vermeintlichen Radausflug vorbei an seinem Privathaus machten, berichtet die Kleine Zeitung.36 Sicherheitspolitisch betrachtet berührt ein solches Verhalten die Grenze zwischen politischem Protest und persönlicher Einschüchterung. Wenn Amtsträger im Bereich des Staatsschutzes öffentlich exponiert, namentlich adressiert und in ihrem privaten Umfeld aufgesucht werden, stellt sich die Frage nach der Schutzwürdigkeit sicherheitsrelevanter Funktionsträger.
– Dem Kärntner Partisanenverband ist bereits im Vorfeld des Kärntner Gedenkjahres 2025 gemeinsam mit seinem Museum Peršman und dem dazugehörigen Verein/Društvo Peršman ein ideologisch geformtes Netzwerk an ausgebildeten Aktivisten gelungen. Funktionäre des Partisanenverbandes öffneten auch deutschsprachigen Historikerinnen die Tür des Verbandes.37 Der Partisanenverband dominiert in der Initiative Domplatz. Diese Initiative kooperiert im Rahmen des Festes „Svobodni! Befreit!“ wieder mit dem Kärntner Landesmuseum (Direktor: Wolfgang Muchitsch).38 Der Landeshistoriker (Landesmuseum) Peter Pirker tritt als Vortragender bei Veranstaltungen der Initiative Domplatz, im Museum Peršman, beim Antifa-Camp und an der AAU Klagenfurt auf. Gemeinsam mit Angehörigen der AAU Klagenfurt (Rektorin: Ada Pellert) unterzeichnete er eine kritische Stellungnahme zum Polizeieinsatz am Peršmanhof am 27. Juli 2025. Der Partisanenverband, der Klub slowenischer Studierender Wien (KSŠŠD) und das Museum Peršman sammeln gemeinsam Spenden für die Antifa-Aktivisten. Die Gelder fließen auf das Konto des Partisanenverbandes.39 Aber auch Medien fühlen sich diesem Netzwerk verpflichtet: Der Film mit Interviews des Partisanen-Kompanieführers Anton Pečnik-Tine und von Anna Sadovnik, die der Historiker Wilhelm Baum bereits vor über 10 Jahren aufgenommen hat, wird weiterhin nicht veröffentlicht. Diese Zurückhaltung erzeugt zwangsläufig Fragen. Mit dem Partisanenverband und der Causa Perschmann ist auch der Verein der Kärntner slowenischen Juristen (Obmann: Rudi Vouk) befasst. Der Verein wird von slowenischen Juristen aus Justiz und Verwaltung unterstützt.40   

Besonders irritierend wirkt vor dem Hintergrund aktueller politischer Spannungen das Kooperationsabkommen des Partisanenverbandes mit dem russischen Veteranenverband.41
Siehe auch Info. Nr. 92 „Perschmann (Peršman) und der Geheimdienst Udba“.42
Es ist somit mit politischem Flankenschutz in Kärnten eine sehr einflussreiche breit angelegte und institutionell abgesicherte Bewegung gegen den Faschismus etabliert worden. Zur Diskussion über die Bedeutung der Kommunisten am Widerstand stellte Kanzler Kohl bereits in den 1990er Jahren klar: „Es geht nicht darum wogegen, sondern wofür man gekämpft habe“.43 Genau diese Frage stellt sich auch hier. Die ideologischen Absichten des Partisanenverbandes stoßen nicht nur bei einzelnen Parteien auf Widerstand. Auch in katholischen Kreisen der slowenischen Minderheit wird eine ideologische Einengung kritisch gesehen. Es wird natürlich nicht der Widerstand gegen den Nationalsozialismus infrage gestellt, wohl aber dessen aktuelle erinnerungspolitische Instrumentalisierung in einem politischen Kontext. Siehe dazu ausführlich die Information Nr. 90 „Antifa spaltet wieder das Land und die Minderheit“.44  
– Vor diesem Hintergrund erhält die Debatte eine geopolitische Tiefenschärfe. Wenn Bundeskanzler Christian Stocker davon spricht, wir befänden uns erneut in einer Phase, die an einen Kalten Krieg erinnere, dann verweist dies auf einen Systemkonflikt – historisch zwischen liberal-demokratischem Westen und kommunistisch geprägtem Osten. Aus der anderen Perspektive wiederum verstand sich der Osten als antifaschistische Demokratie im Kampf gegen einen kapitalistischen Westen. Gerade deshalb ist die rhetorische Frage nicht bloß provokant, sondern analytisch relevant: Auf welcher Seite des „Eisernen Vorhangs“ verorten wir uns heute – normativ, institutionell, sicherheitspolitisch? Und nach welchen Kriterien definieren wir Demokratie, Antifaschismus und politische Loyalität? Wer Antifaschismus für sich reklamiert, muss offenlegen, welches demokratische Selbstverständnis er damit verbindet.

Schlussfolgerungen
Die Zeit drängt. Man kann nicht oft genug die Bildung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission fordern. Wir benötigen keinen kleinen Tito (Stalin) und keinen kleinen Hitler. Wir brauchen einen demokratischen Antifaschismus und einen demokratischen Antikommunismus!
Dass Versöhnung möglich ist, belegen historische Beispiele. Die Partisanin Johanna Sadolsek-Zala lud im Jahre 1997 den 88-jährigen deutschen Offizier Wolfram Mallebrein zu sich ein. Mallebrein gab am 26.10.1943 den Befehl, auf Zala zu schießen. Ihren Satz, man solle einander nach so vielen Jahren vergeben, sollten sich möglichst viele NS- und Partisanen-Opfer zu Herzen nehmen.45
Auch Prof. Janko Messner (obzwar mutmaßlich ein Udba-Mitarbeiter) wandte sich in einem offenen Brief an Othmar Mory, und würdigte dessen vorbildliche versöhnungsorientierte Haltung. Er schrieb an das Partisanenopfer Othmar Mory: „Lieber Othmar Mory, Altbürgermeister von Bleiburg/Pliberk! Danke für die wahrheitsliebende, aufschlussreiche Analyse des Aufrufes „Lassen wir die Toten ruhen“. (…) Deine Eltern, lieber Freund Othmar, haben sich bekannterweise an keinerlei strafrechtlichen Verbrechen beteiligt. Dass du die Möglichkeit erwägst, sie könnten von ihren Konkurrenten aus Neid dem eigenmächtigen Todeskommando in Leše (Liescha) denunziert worden sein, habe ich von Glaubwürdigen persönlich erfahren. Für deinen ehrlichen, den Kärntner antinazistischen Partisanen nicht feindlichen Versöhnungsbeschluss mit Hirn und Herz verdienst du, zum vorbildlichen Ehrenbürger von Kärnten ernannt zu werden“.46
Von einem vergleichbaren Versöhnungswillen konnte man im Gedenkjahr 2025 nichts spüren.
Solche Gesten sind keine Relativierungen, sondern Voraussetzungen für nachhaltige Befriedung. Sie zeigen, dass historische Verantwortung nicht in kollektiver Zuschreibung, sondern in individueller Differenzierung besteht. Im Kärntner Gedenkjahr 2025 hingegen dominierte vielfach der konflikthafte Diskurs. Eine systematische, institutionell abgesicherte Wahrheits- und Versöhnungsinitiative wurde nicht in vergleichbarer Intensität verfolgt. Gerade in den Diensten einer Friedensregion Alpen-Adria, die historisch wie kulturell von Grenzerfahrungen geprägt ist, bedarf es daher eines neuen Anlaufs. Versöhnung setzt Wahrheit voraus. Wahrheit wiederum verlangt Offenheit, Pluralität und den Mut zur Selbstkritik – auf allen Seiten. Nur so kann Erinnerung von einem Instrument politischer Polarisierung zu einem Fundament gemeinsamer demokratischer Zukunft werden.

 

 

1 Der Vater des Politikers Bernard Sadovnik, Franz Sadovnik, diente in der deutschen Wehrmacht. Gegen Kriegsende entzog er sich einer Anwerbung durch Partisanen mittels Flucht. Sein Bruder, Anton Sadovnik, wurde im Jahre 1946 von den Partisanen ermordet. Auch Franz Sadovnik selbst war nach 1945 Bedrohungen ausgesetzt.

2 Das Massaker-Perschmann ist ungeklärt. Siehe: www.volksabstimmung-1920.at.

3 Quelle: https://kaernten.orf.at/stories/3342371/, 17.2.2026.

4 Quelle: https://volksgruppen.orf.at/slovenci/meldungen/stories/3342620/, 19.2.2026.

5 https://www.rtvslo.si/slovenija/klub-slovenskih-studentov-in-studentk-na-dunaju-obsodil-racijo-na…, 30.7.2025

6 Noch im Jahre 1946 wurde die schwangere 32- jährige Arbeiterin Elza Premšak mit der Todesstrafe durch Erschießen verurteilt. Die Strafe wurde am 25. Mai vollzogen. Sie erzählte öffentlich weiter, dass sie von Liquidierungen in Huda Jama und anderen Orten gehört hatte. Quelle: Reporter, 6.6.2011, S. 36.

7 Novice, 21.10.2011, S. 20; siehe hingegen Info. Nr. 91: „Hanzi Filipič (nun Verlagsleiter der Hermagoras/Mohorjeva in Klagenfurt) und Peter Pirker attackieren Josef Lausegger – wie lange noch?“, abzurufen unter https://www.volksabstimmung-1920.at/hanzi-filipic-und-peter-pirker-attackieren-josef-lausegger-wie-lange-noch/

8 Kleine Zeitung, 2.10.2025, S. 32.

9 https://www.domovina.je/mag-vladimir-smrtnik-podzupan-obcine-bi…, 9.8.2025. Autor: Dr. Jože Možina.

10 Privatarchiv: Josef Lausegger

11 https://www.partizani.at/images/dokumenti/231028_drmola.pdf, Abruf: 28.11.2023.

12 Novice, 27.2.2026, S. 3.

13 https://www.partizani.at/de/namen, Abruf: 21.8.2025.

14 Olga Voglauer: „Ein Bild bleibt. Eine Polizei, die Maß und Ziel verloren hat“. Quelle: Kleine Zeitung, 1.10.2025, S. 3.

15 https://www.sazu.si/events/604f373d12416e9924e4eac7, Abruf: 25.7.2023

16 https://www.volksabstimmung-1920.at/titos-geheimdienst-udba-un…, Abruf: 27.2.2026.

17https://www.rtvslo.si/slovenija/30-let/koscki-sestavljanke/pogled-iz-zamejstva-je-nov-dan-prinesel-, 25.6.2019.

18https://www.gov.si/novice/2024-10-01-arhivska-zapuscina-karla-sm…, 1.10.2024.

19 Kleine Zeitung, 11.9.2025, S. 16; Bericht: Andrea Bergmann.

20https://natasapircmusar.si/, Abruf: 26.2.2026; https://www.predsednica-slo.si/o-predsednici, Abruf: 26.2.2026.

21 Kleine Zeitung, 11.8.2025, S. 18. Leserbrief von Dr. Christoph Kathollnig, Villach.

22 Jože Dežman/Hanzi Filipič, Heisse Spuren des Kalten Krieges, Klagenfurt 2013, S. 113.

23 „Quellen“ waren Personen, die geheim und organisiert die Udba informierten. „Mitarbeiter“ waren Personen, die für die Udba geheim und organisiert weitere Aufgaben erfüllten. Sie verbreiteten Desinformationen und konnten auch für Liquidierungen, also Morde, eingesetzt werden. Der slowenische Experte veröffentlichte die Namen von 48 Mitarbeitern, die für Österreich zuständig waren. 19 davon waren österreichische Staatsbürger. Quelle: Roman Leljak, Speča Udba, Kapelski vrh 2014, S. 22, 26, 37.

24 Novice, 1.8.2025, S.3; https://volksgruppen.orf.at/slovenci/stories/3315314/, 28.7.2025.

25https://kaernten.orf.at/stories/3315498/, 29.7.2025.

26 Bericht der Expertinnen- und Expertenkommission Peršmanhof, hrsg. Bundesministerium für Inneres, Wien 2025, S. 51; S. 58 u. S. 91.  

27 Novice, 12.9.2025, S. 2.

28 Novice, 21.11.2025, S. 20.

29 Kleine Zeitung, 9.10.2025, S. 10 f.

30 Siehe dazu umfassend Alfred Elste / Wilhelm Wadl, Titos langer Schatten. Bomben- und Geheimdienstterror im Kärnten der 1970er Jahre. Unter Mitarbeit von Hanzi Filipič und Josef Lausegger,
Klagenfurt am Wörthersee 2015.

31https://volksgruppen.orf.at/slovenci/stories/3315421/, 28.7.2025.

32 Kleine Zeitung, 24.1.2026, S. 2.

33  Kleine Zeitung, 1.10.2025, S. 3.

34https://www.derstandard.at/story/3000000282114/video-und-gedaec…, 4.8.2025

35 Kleine Zeitung, 10.10.2025, S. 18 f.

36 Kleine Zeitung, 1.10.2025, S. 3; Red.: Thomas Cik.

37https://www.novice.at/intervju/lisa-rettl-rizzijeva-nagrajenka-2023…, 30.11.2023.

38 Kleine Zeitung, 20.6.2025, S. 54. „Domplatz: Ein Fest zum Widerstand“.

39 Prospekt, Beilage: Novice, 8.8.2025.

40 Novice, 6.3.2026, S. 3.

41 Novice, 15.5.2015, S. 5.

42 https://www.volksabstimmung-1920.at/perschmann-persman-und-der-geheimdienst-udba/

43 Krone, 21.7.1994, S. 3.

44 https://www.volksabstimmung-1920.at/antifa-spaltet-wieder-das-land-und-die-minderheit/

45 Kleine Zeitung, 29.8.1997, S. 16.

46 KZ, 19.9.2010, S. 40, 41. Leserbrief.