Info Nr. 95
März 2026: Perschmann
Stellungnahme zum Beitrag von Peter Pirker unter dem Titel „Scheuklappen, Unwahrheiten, Inkompetenz“, erschienen in der KLM 3/4 2026, S. 17-20.
Vorbemerkung
Auf meinen Artikel in der KLM unter dem Titel „Kärntens Gedenkjahr 2025. Zwischen Aufklärung und Ideologie“ reagierte der Landeshistoriker, Privat-Dozent Dr. Peter Pirker mit einer Replik mit dem Titel „Scheuklappen, Unwahrheiten, Inkompetenz“. Bereits der Titel lässt befürchten, dass es dem Autor nicht darum geht, meine Stellungnahme zum Perschmann-Narrativ zu kritisieren, sondern meine persönliche Integrität zu liquidieren. Gegen üble Nachreden muss man sich rechtlich zur Wehr setzen. Mit meinen 82 Jahren will ich mich aber nicht zusätzlich belasten. Ich will den bösen Angriff faktenbasierend abwehren und erwarte, dass die Dienstgeber (Land Kärnten, Universitäten) auf die Machenschaften des Genannten reagieren. In der KLM 5/6-2026 gebe ich zur üblen Nachrede des Landeshistorikers Peter Pirker eine Stellungnahme ab. Ergänzend zum KLM-Beitrag informiere ich wie folgt:
Peter Pirker ist nicht irgendjemand. Der Historiker wurde vom Land für die Umsetzung des Jahres der Gedenkkultur 2025 in den Landesdienst (Landesmuseum) aufgenommen und kann somit auf Kosten und im Namen des Landes auftreten. Sein Auftreten hat er daher dem Land gegenüber zu verantworten. Der Landeshistoriker ist Vortragender beim Antifa-Camp und bei der Initiative Domplatz. Als Privat-Dozent tritt er an der AAU Klagenfurt und an anderen Universitäten auf. An der Universität Wien hält er einschlägige Seminare. Im Sommersemester 2026 werden auch die juristische Ahndung von Verbrechen und die Erinnerung daran am Beispiel des Muzej/Museum Peršman thematisiert. Die Studierenden arbeiteten mit Primärquellen unterschiedlichen Typs, heißt es in der Information zum Seminar.1 Diese Primärquellen sind vornehmlich in slowenischer Sprache verfasst, also für den einsprachigen Historiker nicht zugänglich.
Pirker kritisiert auch den Kärntner Geschichtsverein (Carinthia I), die KLM und sogar die ausgewiesenen Experten des Kärntner Landesarchivs wegen der aus seiner Sicht „unklaren und mutlosen Darstellung zum Peršmanmassaker“ (Seite 18). In diesem Kontext ruft er böswillig die ungeheure Dimension von Verbrechen in Erinnerung, die von Kärnten aus und mit Beteiligung von Kärntner Nationalsozialisten „unter anderem solchen, die dem Landesmuseum, Landesarchiv, dem Geschichtsverein, der Landsmannschaft verbunden waren“ begangen wurden (Seite 18, 3. Spalte). Als wäre ich dafür verantwortlich.
Meinungsverschiedenheiten mit Andersdenkenden bin ich gewohnt. In den 1970er Jahren und danach, also in der Zeit des Kalten Krieges, organisierte ich als Landesbeamter grenzüberschreitende politische Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg. Dabei habe ich nach heutigem Wissen auch mit Mitarbeitern des kommunistischen slowenischen Geheimdienstes Udba zu tun gehabt. Die Kooperation in der Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria zwischen konträren Ideologien war natürlich nur bei gegenseitiger Wertschätzung praktikabel. Das dürfte man auch vom Landeshistoriker Peter Pirker erwarten. Ich erlebte in den 1970er Jahren niemals so feindselige Angriffe, wie ich sie nach Veröffentlichung meines Aufsatzes in der Carinthia I 2024 zu erdulden habe.
Im Kalten Krieg fand eine ideologische Konfrontation zwischen den westlichen Demokraten und den östlichen Kommunisten (Titoisten, Stalinisten) statt. Heute wird sogar in Regierungskreisen wieder ein Kalter Krieg befürchtet. Für mich gilt jedenfalls weiterhin die Perspektive der (westlichen) Demokratie. Ehemalige Mitarbeiter und Sympathisanten kommunistischer Geheimdienste sind aber bei uns insbesondere in den Medien und an Universitäten weiterhin aktiv. Auf europäischer Ebene wurde sogar die slowenische EU-Kommissarin Marta Kos erst vor kurzem in einem Buch von Igor Omerza als Mitarbeiterin des kommunistischen Geheimdienstes Udba (SDV) entlarvt.2 Das Museum Peršman wird von mehreren Udba-Leuten betreut. Eine Historikerkommission des Studienzentrums für nationale Versöhnung Sloweniens übermittelte im Jahre 2011 an die Europäische Kommission auftragsgemäß folgenden Situationsbericht: „An den Universitäten unterrichten noch immer Historiker, die als Handlanger der Kommunistischen Partei tätig waren. (…) Sie vertreten nur eine etwas modifizierte Geschichtsschreibung des vorigen Regimes. Diese Historiker erziehen künftige Lehrer und Professoren (Verherrlichung des Volksbefreiungskampfes, Leugnung der kommunistischen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg usw.)“.3 Diese Geschichtsschreibung müsste man auch in Kärnten überwinden.
Bevor ich auf Pirkers Replik eingehe, möchte ich mich auf den bedeutenden Staatsrechtler, Univ. Prof. Andrej Fink berufen, der im direkten Zusammenhang mit dem Perschmann-Massaker folgendes feststellt: „ Die Ereignisse beim Perschmannhof im österreichischen Kärnten regen noch immer zu Überlegungen und Schlussfolgerungen an. (…) Weil einige aber ohne einen ideellen oder politischen Feind nicht leben können bzw. ihr Dasein ohne den Feind keinen Sinn macht, reaktivieren sie den Faschismus noch heute, damit sie ihre Existenz rechtfertigen. Es ist paradox, dass heute der Faschismus von seinen Gegnern wiederbelebt wird.“.4
Wie begründet der Landeshistoriker meine angeblichen „Scheuklappen, Unwahrheiten, Inkompetenz“.
Ich möchte es an zwei Beispielen demonstrieren:
– Dozent Wilhelm Baum interviewte die Zeitzeugen Anton Pečnik (…) und das Opfer Anna Sadovnik (Seite 20, 1. Spalte). Baum ließ das von ihm und zwei weiteren Personen geführte Gespräch mit Pečnik zwar auf Video aufzeichnen, verwendete es aber nie direkt als Quelle, was Lausegger überhaupt nicht zum Denken bringt (Seite 20, 3. Spalte), argumentiert Pirker.
Darüber habe ich mir sehr wohl Gedanken gemacht. Ich musste erkennen, dass dem Dozenten Baum sofort nach Erscheinen seines Buches und dem Hinweis auf die beiden Interviews mit Anton Pečnik und Anna Sadovnik jedwede Qualifikation abgesprochen worden ist: „Eine nach der Neugestaltung des Museums veröffentlichte Publikation mit dem implizierten Anspruch, die Akten erstmals systematisch zu bearbeiten, geht nicht nur an bisherigen Arbeiten und ihren Ergebnissen vorbei, sondern bleibt auch in qualitativer Hinsicht weit hinter den Erwartungen zurück“, wurde im Buch „Peršman“ verbreitet und alle Erkenntnisse des Autors Baum wurden auf einmal ignoriert bzw. angefeindet.5 Es war mir daher verständlich, dass es Dozent Baum in Anbetracht weiterer scharfer Attacken, auf die ich nicht im Detail eingehen kann, nicht mehr wagte, aus den Interviews zu zitieren. Das machte mich natürlich nachdenklich. Aber meine Bereitschaft zur Wahrheitssuche, die eine Voraussetzung für eine dauerhafte Versöhnung ist, war größer als die Angst vor Pirker und seinen Gleichgesinnten. Ich wagte jedenfalls diesen Schritt als erster Autor und zitierte aus dem Interview mit Anton Pečnik wenige Sätze in meinem Aufsatz in der Carinthia I 2024. Mit den bösen Attacken habe ich allerdings nicht gerechnet. Bei Kenntnis der zu erwartenden Rufschädigung hätte ich wahrscheinlich auf meine Wahrheitsfindung verzichtet. Es gibt viele Informierte, die das Perschmann-Massaker sogar als ein Kärntner Katyn bezeichnen. Sie wagen es aber (noch) nicht, dies öffentlich zu vertreten. Baum war sich dieser Situation bewusst. Es blieb ihm einiges erspart.
Es stellt sich die entscheidende Frage, warum die Interviews mit Anton Pečnik und Anna Sadovnik aus dem Jahre 2013 (!) von Historikern, die sich mit der Aufklärung des Perschmann-Massakers beschäftigten, nicht wissenschaftlich untersucht worden sind. Warum hat man diese Originalquelle über 10 Jahre geheim gehalten? Warum kennen einige Kärntner Medien das Video ohne darüber ihre Leser oder Hörer zu informieren? Warum schenkt(e) Peter Pirker und seine Mitstreiter einem stalinistischen ungarischen Volksgericht mehr Glauben als den beiden einheimischen Zeit- und Tatzeugen? Die beiden Tatzeugen belastete zweifellos ihr Gewissen und sie wollten nicht mehr lügen, wie sie selbst sagten. Auch Dušan Pirjevec-Ahac, der gemeinsam mit Karel Prušnik-Gašper für die Verschleppungen in Kärnten verantwortlich sei, habe wegen seiner Verbrechen gelitten und bat eine Krankenschwester um einen Priester. Es wurde ihm ein Psychiater zugeteilt, den Pirjevec allerdings abgelehnt haben soll, berichtet ein slowenischer Historiker.6
Das Video mit den Interviews sollen bereits Historiker in Slowenien besitzen. Ich bin zuversichtlich, dass somit eine objektive, fachliche Auswertung des Videos nicht mehr verhindert werden kann.
– In der Ausstellung „Hinschaun! Poglejmo“ präsentierten wir (…) ein neues Forschungsergebnis zur Ahndung des Verbrechens, nämlich dass die ungarische Justiz im Jahr 1950 den ungarischen Angehörigen des SS-Polizeiregiments 13 Marton Sandor auf Ersuchen der österreichischen Behörden vor Gericht gestellt hatte. Marton Sandor wurde für die Beteiligung am Massaker schuldig gesprochen und zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt. (…) Die bisher vorherrschende These, dass das Massaker am Peršmanhof juristisch ungeklärt und ungesühnt geblieben ist, trifft also nicht zu. Das wird in der Ausstellung dargestellt und belegt (Seite 18 f), so Pirker. Zum Zeitpunkt der Erstellung der Ausstellungstexte lag (sic!) eine Grobübersetzung des gesamten Gerichtsaktes und eine wortwörtliche Übersetzung von Schlüsseldokumenten (inclusive der Urteile) durch einen renommierten österreichisch-ungarischen Historiker vor. (…) Es handelt sich um eine unwahre Behauptung Lauseggers, behauptet Pirker (Seite 19, 3. Spalte).
Diese unfassbare wissenschaftliche Arbeitsweise, die sich mit Grobübersetzungen zufrieden gibt und darauf aufbauend eine wissenschaftliche Landesausstellung produziert, wirft aber sehr viele Fragen auf. Abgesehen davon teilte mir Peter Pirker am 30.6.2025 auf Anfrage mit, dass er den von ihm recherchierten Akt derzeit nicht weitergeben möchte, da ein Forschungsprojekt dazu durchgeführt wird. „Es umfasst die vollständige Übersetzung und wissenschaftliche Analyse des Akts im Kontext der ungarischen und österreichischen Nachkriegsjustiz. Die Erkenntnisse werden in einer wissenschaftlichen Publikation präsentiert werden“. Mit dieser Argumentation wurde mir vom Landesbediensteten Pirker die Einsichtnahme in den ungarischen Strafakt verwehrt.7 Demnach fehlte zum Zeitpunkt der Erstellung des Ausstellungstextes also sowohl die vollständige Übersetzung als auch eine wissenschaftliche Analyse. Auf meine Anfrage teilte mir das Landesmuseum (Direktor: Wolfgang Muchitsch) am 30.4.2026 überraschend mit, dass „eine vollständige Übersetzung des Gerichtsakts“ dem Museum nicht vorliege.
Ich gehe davon aus, dass es lediglich wegen der fehlenden Übersetzungen zu Fehlinformationen in der Ausstellung gekommen ist:
In der Ausstellung wird bzw. wurde die erste Seite des stalinistischen Volksgerichtes in Budapest ohne Übersetzung wie folgt präsentiert „Auszug aus dem Urteil des Strafgerichts Budapest gegen Marton Sandor jun., 17.6.1950 Budapest, 1950/ Stadtarchiv Budapest“. Es stammt allerdings nicht vom 17.6.1950, sondern ist mit 14.12.1950 datiert. Das Datum des Urteils findet man wie üblich auf der letzten Seite und dürfte in der Rohübersetzung gefehlt haben. Diese Feststellung ist wichtig, da das Urteil ausdrücklich mit der Zeugenaussage vom 5.9.1950 (!) der Partisanin Paula Aschmann begründet wird. Es hätte dem Kurator auffallen müssen, dass diese Zeugenaussage laut Ausstellung aus der Zeit nach dem Strafurteil stammt.
Was sagte Paula Aschmann bei Ihrer Zeugenaussage am 5.9.1950 wirklich: „Ich kann mich heute nicht mehr genau auf alles erinnern, was sich anfangs des Jahres 1945 in meiner Ortschaft zugetragen hat. (…) Alexander Marton war damals ungefähr 17 Jahre alt. Ich kann aber heute nicht mehr sagen, wie er ausgesehen hat, weil es schon zu lange her ist. (…) Wer in der Ortschaft Koprein-Petzen bei Bleiburg am Perschmannhof in der Nacht vom 24.4.1945 mehrere Zivilpersonen getötet hat, weiß ich nicht. Von anderen Soldaten des Polizeiregiments Nr. 13 wurde mit erzählt, dass die Zivilpersonen auf Befehl des Leutnants Josef Reischl getötet wurden und Alexander Marton jun. mit anderen Soldaten damals dabei war. Ob dies auf Wahrheit beruht, weiß ich nicht. Es waren dies glaublich zwei Soldaten, die im Elsass zu Hause waren, welche mir das erzählt haben. (…) Es ist mir unmöglich, heute irgendwelche näheren Angaben zu machen“. Für das ungarische kommunistische Volksgericht – und heute auch für den österreichischen Historiker Pirker – waren Aschmanns Aussagen „Tatsachen“. Alles deutet auf einen üblichen, montierten kommunistischen Strafprozess hin. Es ist daraus auch für einen Nicht-Juristen erkennbar, dass Frau Aschmann den jungen Ungarn nicht belasten wollte. Ihre Aufgabe bestand augenscheinlich darin, die Partisanen zu entlasten. Von diesen Überlegungen dürfte auch Wilhelm Baum ausgegangen sein, da er schrieb: „Paula Aschmann, die Angehörigen des Polizeiregiments Zimmer vermietet hatte und sich nach 1945 mit ihrem Mann Franz als Wortführer der Partisanen gerierte, rief 1960 eine weitere Aktivität ins Leben. Auf ihre Anzeige hin wandte sich die Staatsanwalt Klagenfurt am 12.2.1960 an das Bundesjustizministerium in Bonn, um die Auslieferung von Johann Tönnies zu erwirken“.8 Aschmann dürfte die Aufgabe erfüllt haben, Partisanen-Legenden zu verbreiten, was sie mit einer gewissen Zurückhaltung erfüllte.
Dieser Faktencheck ist als weiterer Beweis zu werten, dass der Inhalt der Ausstellung betreffend Perschmann tatsächlich „höchst problematisch“ ist (siehe oben). Für den Kurator der Ausstellung „Hinschaun! Poglejmo!“ führt das Strafurteil aber zu folgender Erkenntnis: „Die bisher vorherrschende These, dass das Massaker am Peršmanhof juristisch ungeklärt und somit ungesühnt geblieben ist, trifft also nicht zu. Das wird in der Ausstellung dargestellt und belegt“ (Seite 18, 2. Spalte). Diese irrige Schlussfolgerung des Landesbediensteten kann man nicht oft genug in Erinnerung rufen. Der Privat-Dozent verzichtete völlig auf eine Quellenkritik, was er aber mir in seiner Replik zum Vorwurf machen will. Einer Stellungnahme einer ungarischen Historikerin entnehme ich übrigens, dass die Schuld oder Unschuld von Sandor Marton am Perschmann-Massaker auf Basis der Prozessunterlagen nicht festgestellt werden kann.
Pirker ermittelte nicht einmal das tatsächliche Datum des Verbrechens. In einem in der Kleinen Zeitung veröffentlichten Artikel unter dem spannenden Titel „Massaker am Peršmanhof in neuem Licht“ lässt der Dozent einfach zwei Daten gelten. Im ersten Satz seiner neuen Erkenntnisse passierte das Verbrechen am 25.4.1945 und im zweiten Satz war es am 24.4.1945.9
Die Landesausstellung „Hinschaun/Poglejmo“ wurde offiziell vom Historiker Peter Pirker kuratiert. Sie entstand „in Kooperation mit dem Verband der Kärntner Partisanen und Freunde des antifaschistischen Widerstands“, mit Sitz in Österreich, wurde in der Einladung zur Ausstellungseröffnung am 26.1.2026 im slowenischen Parlament informiert.10 Die Ausstellung wurde vom slowenischen Parlament dem Vernehmen nach für die Öffentlichkeit jedoch gesperrt. „Mit der unannehmbaren Ausrede, dass die Ausstellung nach dem guten Besuch der Eröffnungsfeier für die Öffentlichkeit nicht geöffnet sei, haben die Sicherheitsorgane nämlich die Besucher zurückgewiesen“, wird aus Slowenien berichtet.11 Auch das Video mit den Interviews soll slowenischen Historikern zur Verfügung stehen. Slowenische Historiker scheinen sich für die Causa Perschmann zu interessieren. Wir stehen am Beginn und nicht am Ende dieser Geschichte. Die Wahrheitsfindung ist nicht mehr zu verhindern.
Faktum ist, dass die SS-Polizei und die Tito-Partisanen noch schlimmere Verbrechen als das Perschmann-Massaker begangen haben. Es ist davon auszugehen, dass das Verbrechen von ganz wenigen Tätern auftragsgemäß und streng vertraulich begangen worden ist. Die überwiegende Mehrheit der Polizisten oder der Partisanen hatte damit nichts zu tun. Für diese Vorgangsweise gibt es Beispiele. Die Belastung des 17- jährigen ungarischen SS-Polizisten nützte den SS- Polizisten, um so schnell wie möglich die Untersuchungshaft zu verlassen. Es nützte dieses Narrativ aber auch der Partisanenführung, um damit ihre mutmaßliche Täterschaft außer Streit zu stellen. Heute dürfte es keine Denkverbote mehr geben.
Resümee:
Da die „neuen Erkenntnisse“ Pirkers mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit falsch sind und diese Erkenntnisse in der Ausstellung „Hinschaun! Poglejmo!“ auf Kosten und im Namen des Landes der Öffentlichkeit präsentiert worden sind, wird der Dienstgeber, also das Land Kärnten, dazu nicht schweigen können. Damit wären schwerwiegende Rechtsfolgen denkbar. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Pirker berichtete am 28.7.2025 auch beim Museum Peršman im Rahmen des Antifa Camps über seine neuen Erkenntnisse vom Massaker.12 Nach dem Vortrag gab er am 3.8.2025 in der Kleinen Zeitung aber zu bedenken, dass die Ermordung im April 1945 „durch das Auffinden neuer Akten in Ungarn noch nicht gänzlich abgeschlossen“ sei.13 Diese Zweifel an seinen Perschmann-Forschungen sind natürlich begründet. Der Kurator der Ausstellung hätte seine Recherchen vorher „gänzlich abschließen“ müssen.
Ein Hinweis: Die Aufarbeitung der Stalin-Verbrechen ist unter Präsident Wladimir Putin weitgehend zum Erliegen gekommen. Auch das Gulag- Museum in Moskau befasst sich künftig nur mehr mit Nazi-Verbrechen.14 Das sollte nicht unsere Devise sein.
Bereits am 27.7.2025 unterzeichnete Pirker die Erklärung des Museums, wonach das Museum Peršman des Partisanenverbandes „zur Festigung der demokratischen Gesellschaft“ diene. Dieses Demokratieverständnis der Partisanen wird von nicht-kommunistischen Historikern nicht geteilt: „Demnach hat es im Jahre 1945 eine wirkliche Befreiung Sloweniens nicht gegeben, weil die Befreiung aus dem Kerker des totalitären Regimes der Okkupanten nur in eine neue Versklavung durch ein anderes totalitäres Regime – die Herrschaft der Kommunisten – mündete. Befreit – und somit frei – ist Slowenien erst seit dem 25. 6.1991.15 Im Kärntner Gedenkjahr 2025 wurde dieses Demokratieverständnis nicht thematisiert. Hinsichtlich der Zielsetzung verweist der Landeshistoriker Peter Pirker nun auf den damaligen Landeshauptmann, Peter Kaiser: „Das Kärntner Kulturgremium gab auf Anregung von Landeshauptmann Peter Kaiser im Jahr 2024 einen anderen Rahmen für das Erinnerungsjahr / Leto spominjanja vor“.16
Der ehemalige Bürgermeister von Bad Eisenkappel, Franz Josef Smrtnik, kennt die Perschmann-Problematik vor Ort. Er geht davon aus, dass das Massaker ungeklärt ist: „Über den Peršmanhof gibt es viele Varianten. Ich muss sagen, es wurde auch schon sehr viel darüber geschrieben, diskutiert und eruiert. Es wurde ein Verbrechen begangen, sage ich. Was genau die Ursache war, wie es passierte und wer schuld war, muss ich sagen, sollte nebensächlich sein. Es war ein Mord an einer ganzen Familie. Wodurch verursacht? Durch den Krieg. Hätte es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben, gäbe es auch nicht die Peršman-Familientragödie“.17 Das wäre ein guter Ansatz für eine Versöhnungsstrategie. Dafür dürfte es aber nun zu spät sein. Der Partisanenverband mit seinem Museum Peršman, dem Verein Peršman und vielen Gesinnungspersonen konnte zwischenzeitlich für das strittige Verbrechen ein Narrativ, eine Legende, im Sinne der Partisanenbewegung durchsetzen. In diesem Sinne wurde/wird der Perschmannhof von Traditionsträgern der Tito-Partisanen mit Unterstützung des ehemaligen Landeshauptmannes Peter Kaiser als Gedenk- und Lernort geführt. Einer Aufklärung der dunklen Seiten der Partisanengeschichte bzw. einer Revision wird Widerstand geleistet. Die dunkle Seite der Tito-Partisanen wird weiterhin verheimlicht. Deshalb wird man ohne eine Wahrheitskommission die ideologische Geschichtsschreibung nicht überwinden und Versöhnungsschritte nicht setzen können. Die Zeit drängt!
Peter Pirker präsentierte am 8.5.2026 sein zweisprachiges Buch zur Ausstellung „Hinschaun! Poglejmo! Schon die Ausstellung habe für Wirbel gesorgt wird von Kerstin Wassermann in der Krone festgestellt. Doch schon vorab sei klar, dass der Inhalt des Buches für Kontroversen sorgen werde.18
Dringend lesenswert! wird zum Buch in der Kleinen Zeitung geraten.19
Das Gedenkjahr 2025 lässt die Kärntner Bevölkerung nicht zur Ruhe kommen.
In Slowenien setzen sich Experten gegen eine einseitige Geschichtsschreibung zur Wehr: Nicht-kommunistische Fachexperten reagierten bereits im Jahre 1998 mit einer Gegen-Ausstellung auf eine Ausstellung, in der die dunkle Seite der slowenischen Geschichte nach 1945 verschwiegen und das totalitäre System in ein positives Licht gestellt wird. „Auch die dunkle Seite der Geschichte beleuchten“, forderte der berühmte slowenische Schriftsteller Drago Jančar (Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse; Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur; Goldenes Freiheitsabzeichen der Republik Slowenien …). Der Schriftsteller organisierte im Jahre 1998 die Ausstellung „Temna stran meseca“ (Die dunkle Seite des Mondes). Mit dieser Präsentation sollte laut Jančar auch jene Seite der Geschichte beleuchtet werden, die verschwiegen und vergessen worden ist. 20 Jančar: „Im Mai 1945 sprach Tito auf dem Kongressplatz in Laibach. (…) Titos Ansprache ist der Beweis dafür, dass man sich in der politischen Führung schon damals entschlossen hat, die Gegner der Kriegszeit zu ermorden. (…) Der jugoslawische Kommunismus hat bewiesen, dass er die ursprünglichen Ideen nicht verlassen hat und dass er bei der Abrechnung mit dem Klassenfeind noch entschlossener ist als der Große Stalin“.
Für die Ausstellung „Temna stran meseca“ wurden von den Fachexperten Vasko Simoniti, Jože Pučnik, Ive Stanič, Andrej Aplenc, Tamara Griesser-Pečar, Milko Mikula, Aleš Gabrič, Milček Komelj, Ivo Žajdela und Bernard Nežmah Beiträge geleistet.21
Es ist zu hoffen, dass auch in Kärnten Experten eine Unterstützung finden werden, die auf Basis der ganzen Wahrheit und einer bewussten Versöhnungsbereitschaft einer neuen Gedenkkultur den grenzüberschreiten Weg mit dem Ziel einer Friedensregion Alpen-Adria bahnen. Die im slowenischen Parlament offiziell präsentierte Kärntner Ausstellung „Hinschaun! Poglejmo!“ ist in der slowenischen Öffentlichkeit offensichtlich auf Widerstand gestoßen. Das in Kärnten verheimlichte Video mit den Interviews mit den beiden Zeit- und Tatzeugen des Perschmann-Massakers 1945 (Anton Pečnik und Anna/Ančka Sadovnik) soll slowenischen Historikern ebenfalls zur Verfügung stehen. Fachexperten Sloweniens könnten das Narrativ des Museum Peršman zur Diskussion stellen. Wir stehen am Anfang und nicht am Ende bei der Aufklärung des Perschmann-Massakers.
1 https://ufind.univie.ac.at/de/course.html?lv=070327&semester=2026S, Abruf: 9.4.2026.
2 Reporter, 16.3.2026, S. 6; Demokracija, 19.3.2026, S. 37.
3https://www.scnr.si/izjava-zavoda-za-o-ivitev-civilne-dru-be-ki-se…, 3.2.2011, Abruf, 22.8.2020.
4https://www.domovina.je/fasizmu-vseh-barv-odreci-legitimnost, 21.8.2025, Abruf: 2.4.2026.
5 Peršman, S. 86, Fußnote 7.
6 Jože Možina, Slovenski razkol, Ljubljana 2019, S. 522, 532;
Alfred Elste, Michael Koschat, Paul Strohmaier, „Opfer, Täter, Denunzianten“, Hermagoras 2007, S. 175, 197.
7 Näheres kann meinem Informationsportal www.volksabstimmung-1920.at entnommen werden. Siehe: Information Nr. 87.
8 Wilhelm Baum, Peršmanhof 1945, S.138.
9 Kleine Zeitung, 25.4.2015, S. 22 f.
10 Siehe: Einladung des Koroški.muzej Celovec zur Eröffnung der Ausstellungspräsentation am 26.1.2026 in der Nationalversammlung der Republik Slowenien; Eröffnung durch LH Peter Kaiser, Quelle: km-km hinschaun poglejmo vabilo einladung 26-01-26.pdf, Abruf: 23.1.2026
11 Schreiben im Archiv des Autors.
12 Novice, 18.7.2025, Beilage, ohne Impressum.
13 Kleine Zeitung, 3.8.2025, S. 8.
14https://www.diepresse.com/20614187/stalin-wird-ausgeklammert-g…, 20.2.2026.
15 Tamara Griesser-Pečar, das zerrissene Volk Slowenien 1941-1946, 2003, S. XII, 515.
16 Stimme, Zeitschrift der Initiative Minderheiten, 138 – 2026 Frühling, S. 32 ff.
17 Kärnten liegt am Meer, Klagenfurt 2012, S. 371, 372; Baum, S. 163.
18 Kronen Zeitung, 5.5.2026, S. 16 f.
19 Kleine Zeitung, 6.5.2026, S. 53. Redakteur: Andreas Kanatschnig.
20https://druzina.si/clanek/zbornik-temna-stran-meseca…, 5.11.2019, Autor: Ivo Žajdela.
21 Temna stran meseca. Kratka zgodovina totalitarizma v Sloveniji 1945-1990. Razstava v Muzeju novejše zgodovine. Od 26.11.1998-31.1.1999. Ljubljana 1998, S. 26 ff.