Carinthija 2020: Mobile Landesausstellung

St. Veit an der Glan, am 27.10.2021
St. Veit an der Glan, am 27.10.2021

Die Landespolitik bewies Mut, dass sie so etwas unterstützt“.

Info Nr. 52

1.11.2021  St. Veit/Glan – Die Präsentation der Landesausstellung 2022 geht (vorläufig?) zu Ende.
Auch an Markttagen konnte nur sehr geringes Interesse der Bevölkerung an der Ausstellung beobachtet werden. Die Bedeutung der Landesausstellung könnte durch das Fehlen einer Beflaggung gemindert worden sein. Der Verzicht auf die Flaggen dürfte beabsichtigt gewesen sein (s.u.).

Der Start der Mobilen Landesausstellung erfolgte am 20.6.2020 in Völkermarkt: 

20.6.2020  Völkermarkt – Carinthija 2020: Mobile Ausstellung des Landes Kärnten wird eröffnet. Knapp 20 Historiker haben an der Ausstellung gearbeitet. Drei Protagonisten des 100-Jahrjubiläums werden von der Kleinen Zeitung „vor den Vorhang“ geholt: die „zweisprachige“ Christiane Ogris, der „Ausstellungsmacher“ Igor Pucker und der „Brückenbauer“ Gerhard Leeb.
Projektträger der Ausstellung sei das Landesmuseum Kärnten „im Auftrag“ der Landeskulturabteilung. Die Inhalte haben aber Expertinnen und Experten „um den Historiker Helmut Konrad“ entwickelt. 1

 

LH Peter Kaiser hielt seine Eröffnungsansprache zweisprachig: „Ein Ja als Bekenntnis zu unserem Land, seiner Geschichte, Zweisprachigkeit, vielem, was überwunden wurde, dem Lernen aus der Vergangenheit für die Zukunft! Die Ausstellung ist eine Einladung an alle Kärntnerinnen und Kärntner, sich gemeinsam in die Zukunft zu bewegen und das Land zu gestalten“. 2
(Hinweis: Sehr viele „zweisprachige“ vom Land finanzierte Jubiläumsveranstaltungen werden als „gemeinsam-skupno“ bezeichnet, haben aber nicht die Zukunft des Landes und seiner Bevölkerung, sondern speziell die Zukunft der Kärntner Slowenen“ zum Inhalt.3)
Historiker Helmut Konrad bei der Eröffnung der Schau: „Klare Fakten werden dargelegt, und zwar unideologisch“.4 Dies dürfte nur für die ersten Module, die einen groben historischen Überblick ermöglichen, zutreffen (s.u.).

1. Zur Vorgeschichte
Am 29.6.2016 versprach LH Peter Kaiser im Rahmen des Dialogforums der slowenischen Minderheit, dass sie bereits bei den Vorbereitungen der Jubiläumsfeier  ein gewichtiges Wort mitreden kann. Die Slowenen kritisierten nämlich, dass im Kuratorium für die Vorbereitung der Landesausstellung keine Vertreter aus den Reihen der slowenischen Volksgruppe vertreten seien. LH Kaiser versprach auch eine finanzielle Förderung der Europeada anlässlich der Jubiläumsfeier 2020, sie stünde „mit den Bemühungen um eine Internationalisierung Kärntens im Einklang“.5
(Siehe auch „Archiv“: 18.6.2016 und 27.4.2017)

Am 18.3.2017 berichtet die Kleine Zeitung: Der 10. Oktober ist der Anlass, nicht das Thema! (…) Wichtig ist mir, dass wir uns vom 10. Oktober lösen; er ist Anlass, aber nicht Thema“, gibt Peter Fritz (Kurator der Landesausstellung)  die Richtung vor, die er mit einem bunten wissenschaftlichen Team zweifellos im Sinne des Auftrages der Landespolitik verfolgt.6 Damit steht die Kärntner Landesausstellung im Einklang mit der Position der slowenischen, für die Kärntner Slowenen zuständigen Ministerin Helena Jaklitsch: „Den Jahrestag der Kärntner Volksabstimmung können wir Slowenen auf keinen Fall feiern, denn wir haben mit der Volksabstimmung einen großen Teil des Gebietes und unserer Menschen verloren“.7
Die Entwicklungsstränge und Trends in Kärnten werden in „einen gesamtösterreichischen und europäischen Kontext eingebettet“, versprach Fritz. Und der Alpen-Adria-Raum werde einen bedeutenden Bezugsrahmen darstellen.   
Kustos Peter Fritz: „Eine Ausstellung, die es noch nie gab. (…) Die Einbeziehung der Vertreter der Volksgruppe haben wir nicht öffentlich praktiziert, sondern in vielen persönlichen Gesprächen mit den Vertretern der Volksgruppe und mit den (slowenischen) Wissenschaftlern. (…) In dieser Form gab es eine Landesausstellung noch nie und die Landespolitik bewies Mut, dass sie so etwas unterstützt.8

Es gebe keine plausible Erklärung dafür, den Tag der Volksabstimmung als Thema auszuklammern, meinte hingegen Josef Feldner, KHD-Obmann und Mitglied der Konsensgruppe. Er verwies auf gemeinsames Gedenken der deutsch- und slowenischsprachigen Mitglieder der Kärntner Konsensgruppe auf dem Stadtfriedhof in Völkermarkt. In einer Entschließung forderte der KHD bereits im Jahre 2016 eine stärkere Einbindung des Heimatdienstes und der Konsensgruppe in die Vorbereitung von Veranstaltungen im Gedenkjahr 2020. Es müsste ein zukunftsorientiertes, dankbares Erinnern an die Volksabstimmung 1920 bei allen Veranstaltungen ein zentrales Thema sein. Dabei soll nicht das damalige Gegeneinander, sondern ein Bekenntnis zum Miteinander in den Mittelpunkt gestellt werden. 9 Auch der Kärntner Abwehrkämpferbund kritisierte die Ankündigung der Organisatoren der Landesausstellung 2020, die Schau dafür zu nützen, sich vom 10. Oktober zu lösen. Die Landesregierung wurde aufgefordert, ein würdiges Gedenken zum 100-Jahr-Jubiläum sicherzustellen.10 Im Jahre 2017 wurde vom damaligen Kultur-Landesrat Christian Benger angekündigt, dass sich auch der Kärntner Abwehrkämpferbund beim Thema Identität und Erinnerung oder in Sachen Dialog stark einbringen könnte.11  
Diese „patriotischen Verbände“, die einen Beitrag zur Erinnerung an das Gedenken 1918/1920-2020 liefern wollten, entsprachen aber schließlich nicht (mehr) dem vorgegebenen Grundkonzept der Landesausstellung 2020.12
In diesem Zusammenhang drängt sich die Frage auf, ob bei der Landesausstellung 2020  eine „Okkupation des geschichtswissenschaftlichen Diskurses zum Kärntner Plebiszit durch die Politik“ gegeben ist. In einer auch vom Land Kärnten mitfinanzierten Publikation von Lehrern der Klagenfurter Universität wird dieser Vorwurf zumindest für die Vergangenheit  gemacht.13 Für die aktuelle Landesausstellung 2020 lässt sich dieser Vorwurf erhärten.

2. Kärntner Zukunft – ohne die EU!

Die Landespolitik scheint Mut zur Lücke bewiesen zu haben: Kärnten wird als „traditionsreiche Zukunftsregion Europas“ angekündigt, in der Ausstellung kommt aber Europa nicht vor. Aber auch die Zugehörigkeit Kärntens zu Österreich – darum ging es ja vor 100 Jahren – wird nicht thematisiert. Nicht mit Österreich, sondern mit Slowenien werden Wirtschaftsvergleiche angestellt. Die Europa- und die Österreichfahne werden nicht gehisst. Auch die Kärntner Fahne fehlt. Die Kärnten-Fahne könnte die Besucher provozieren, vermutete die diensthabende Kustodin. Die Kärntner Landesfahne habe nach Ansicht des slowenischen Staatssekretärs Dejan Valentinčič eine „bestimmte negative Konnotation“, weil sie von Heimatverbänden in der Vergangenheit missbraucht worden sei.14
Am 27.7.2020 wurden in der Landesregierung Details zum Jubiläum bekannt gegeben. Demnach seien die Landesfarben „rot-weiß-gelb“.15

Das wären bereits Gründe genug, die Landesausstellung in Frage zu stellen. Mit Ausnahme der am Beginn der Ausstellung befindlichen historischen Module erscheint der Großteil der weiteren Informationen kritikbedürftig. Kritisch äußerten sich auch einige Insider, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand.

Konkrete Bemerkungen:
Die Ausstellung sollte unser Land „gemeinsam in die Zukunft bewegen“. Kärnten soll als „traditionsreiche Zukunftsregion Europas“ präsentiert werden, so die Ankündigung in den Prospekten.16
Europa und die EU werden aber in der „positiven Perspektive für die Zukunft“ überraschenderweise nicht behandelt.  Eine diensthabende Kustodin machte sich gemeinsam mit dem Autor dieses Beitrages erfolglos auf „Europasuche“. Man müsste diesbezüglich die Kulturabteilung kontaktieren, meinte die sichtlich irritierte junge Dame.
Eine Kärntner Zukunft ohne die europäische Ebene ist heute unvorstellbar.

Unter dem Titel „Opfernamen Gedenken 1938-1945“ wird in der Landesausstellung davon berichtet, dass „nach bisherigem Forschungsstand ca. 10.000 Männer, Frauen und Kinder in bzw. aus Kärnten zu Opfern nationalsozialistischer Gewalt geworden sind“.17 Auf europäischer Ebene werden aber nicht nur die faschistischen, sondern auch die Verbrechen totalitärer kommunistischer Regime verurteilt. Die  Entschließung des Europäischen Parlaments vom 2.4.2009 zum Gewissen Europas und zum Totalitarismus geht auch von der Überzeugung aus, dass das Ziel der Offenlegung der von den totalitären kommunistischen Regimen begangenen Verbrechen in der Wiederaussöhnung besteht. Diese Aussöhnung könne jedoch nur durch das Eingeständnis der Verantwortung, die Bitte um Vergebung und die Förderung einer moralischen Erneuerung erreicht werden.18
Dieser europäischen Geschichtsauffassung folgt die Kärntner Landesausstellung nicht.
Die von den slowenisch- jugoslawischen Partisanen im „blutigen Frühling 1945“ nicht nur in Slowenien, sondern auch in Südkärnten verübten „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ kommen nicht vor.19
Wenn aber ein wissenschaftlich anerkanntes Geschichtsbild durch Verschweigen so angepasst wird, dass es zur Gänze oder teilweise nicht mehr dem wissenschaftlich nachweisbaren Sachverhalt entspricht, könnte man sogar von einer Geschichtsfälschung sprechen.20

Die Lagerbildung  zwischen den titoistischen und antikommunistischen Historikern ist in Slowenien besonders explosiv ausgebildet. Zwischen den beiden gegnerischen Lagern gibt es keine fachlichen Diskussionen. Die Geschichtsschreibung sei ideogisch vollkommen zweigeteilt.21 Auch viele Kärntner Historiker und Historikerinnen sind Teil dieser Polarisation.
Mit der Landesausstellung  wurde kein Versuch unternommen, der feindseligen Lagerbildung eine konsensuale, europäische Geschichtsauffassung entgegenzustellen.22
Die Landesausstellung 2020 könnte in einigen Passagen sogar als Musterbeispiel für die Feststellung des Studienzentrums für nationale Versöhnung (Slowenien) herangezogen werden, wonach viele Historiker noch immer lediglich eine etwas modifizierte titoistische Geschichtsauffassung vertreten. 23 

3. Zweisprachige Landesausstellung mit vielen Übersetzungsfehlern und/oder Manipulationen:
Die Übersetzung des deutschen Textes in die slowenische Sprache weist zahllose Mängel auf. Dem Vernehmen nach soll an dieser „zweisprachigen“ Ausstellung kein slowenischsprechender Experte mitgewirkt haben. Einige Beispiele:
– „Kärnten“ heißt im Slowenischen „österreichisches Kärnten“. Das ist die Sichtweise Sloweniens. Es handelt sich aber um eine österreichische Ausstellung.
– Der 10. Oktober 1920 ist ein Tag, der über den „Verbleib“ bei Österreich entschied. 60 % der Stimmberechtigten haben sich für den „Verbleib bei Österreich“ ausgesprochen. Laut dem  slowenischen Text hätten sie jedoch für den „Anschluss“ an Österreich gestimmt.
„Nur vereinzelt gibt es auch Gemeinden, in denen der Stimmenanteil für Österreich unter dem Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung liegt (z. B. Ferlach)“, heißt es im Deutschen. Die slowenische Übersetzung lautet wie folgt: „ Le v nekaterih občinah je za Avstrijo večinsko glasovalo nemško govorečo prebivalstvo (npr. Borovlje)“. Das heißt auf Deutsch: „Nur in einigen Gemeinden votierte die deutschsprachige Bevölkerung mehrheitlich für Österreich“. Die Mehrheit der damals deutschnationalen Bevölkerung hätte also für Jugoslawien votiert, wird im slowenischen Text behauptet.
– Der Begriff „Abwehrkampf“ wird im Slowenischen nach Möglichkeit vermieden, was der slowenischnationalen, ehemals pro-jugoslawischen Orientierung entspricht. Der Kärntner Abwehrkampf heißt im Slowenischen „Kampf um die Nordgrenze“. Im slowenischen Carinthija-Guide heißt es statt Abwehrkampf „Ein regionaler Krieg in Kärnten“.
– Am 26.5.1942 wurde Lambert Ehrlich von einem Agenten des Militärdienstes der Partisanen ermordet. Im slowenischen Text heißt es, Ehrlich sei „als Kollaborateur“ ermordet worden.
– Aus der „Bundes- und Landesebene“ wird im Slowenischen eine „Bundes- und Staatsebene“.
– Auf zweisprachige Ortsbezeichnungen wird im Slowenischen – im Gegensatz zum Deutschen – oft verzichtet. Ortsnamen, die laut dem geltenden Volksgruppengesetz nicht zweisprachig zu bezeichnen sind, werden in slowenischen Texten nicht in der deutschen Staatssprache, sondern auf Slowenisch bezeichnet, also: Celovec, Šmohor, Špital ob Dravi, Beljak, Trg, Šentvid, Velikovec, Volšperk.
– Der slowenische Text enthält viele Tippfehler…

4.Der Kärntner Abwehrkampf und die Kärntner Volksabstimmung sind kein Thema
Brigitte Entner, Historikerin des Partisanenverbandes und des Slowenischen wissenschaftlichen Instituts, zeigte sich darüber erfreut, dass vom Kärntner Abwehrkampf keine Rede ist. Sie gehörte gemeinsam mit sechs Historikern zum „Kernteam“ der Ausstellung.24 Jedes Mitglied des „Kernteams“ dürfte allerdings seinen Text ohne das Einvernehmen mit den anderen Kollegen verfasst haben.
Der „Abwehrkampf“ wurde im slowenischen Text sogar manipulativ als „Kampf um die Nordgrenze“ übersetzt. Es wird hervorgehoben, wer (angeblich) für Österreich votiert hat. Wer für Jugoslawien eingetreten ist, das war südlich der Drau eine knappe Mehrheit, wird verschwiegen. Laut slowenischem Text (s.o.) hätten die damaligen Deutschen mehrheitlich nicht für Österreich gestimmt.
Es wird in der Landesausstellung mit einem „semantischen Trick“ versucht, eine pro-österreichische Positionierung der damaligen Slowenischnationalen zu konstruieren.25 
Viele Kärntner Slowenen gehen aber weiterhin von einem „verlorenen“ Plebiszit aus.  „Als die slowenische Seite im Oktober 1920 die Kärntner Volksabstimmung verloren hat, wich Janko Oitzl für einige Monate in das neue Jugoslawien aus. Oitzl setzte sich damals als nationalbewusster Slowene für die Vereinigung mit dem jugoslawischen Staat ein“. Lehrer und Beamte aus Jugoslawien tranken in der Zeit vor der Volksabstimmung nächtelang mit Einheimischen (Slowenen) und randalierten dann vor den Wohnsitzen der nicht-nationalbewussten Slowenen (also der „Windischen“), schreibt die Kärntner slowenische Zeitung „Novice“.26Die Drau könnte heute die Staatsgrenze zwischen Slowenien und Österreich sein, allerdings hat die slowenische Seite dieses Angebot im Jahre 1918 abgelehnt“, wird in der Novice bedauert.27  Auch das Mitglied des wissenschaftlichen Kernteams der Landesausstellung, Prof. Daniel Wutti (Pädagogische Hochschule), geht in seinen Vorträgen von einem „verlorenen Plebiszit“ aus und thematisiert das slowenische Trauma der vergifteten Nach-Plebiszit-Epoche. Das Absingen von Rudolf Maister-Liedern wird in einem Lehrbuch der Pädagogischen Hochschule als Beispiel guter Praxis präsentiert.28
Am 7.1.1919 bestürmten vor der Offensive Deutsch-Österreichs Kärntner Slowenen aus dem Rosental die Nationalregierung in Laibach und und beschwerten sich über die Katastrophe in Kärnten. Die slowenische Regierung suchte aber die Schuld bei Belgrad und der Antante. Ehrlich zu den Kärntner Slowenen war nur Janko Brejc: „Aber damals, als es möglich war, mit 200-300 Männern Klagenfurt zu besetzen, dachte niemand daran, dass dies nach 14 Tagen nicht mehr möglich sein wird“, wird in der Ausstellung des Slowenischen Staatsarchivs unter dem Titel „Za zmeraj gre“ (gezeigt auch im Kärntner Landesarchiv) dokumentiert.  
Der Botanikerin Angela Piskernik, die gemeinsam mit General Rudolf Maister für den Anschluss Südkärntens an Jugoslawien gewirkt hatte, wurde am 28.10.2021 am Konvent der Ursulinen in Klagenfurt eine Gedenktafel gewidmet.29
Die pro-jugoslawischen Initiativen aus Kärnten werden in dieser slowenischen Ausstellung, ganz im Gegensatz zur Kärntner Landesausstellung, nicht verschwiegen.

Den Dokumenten des Slowenischen Nationalrates (Narodni svet) in Völkermarkt zur Zeit der Zone A, aufbewahrt im slowenischen Staatsarchiv, könnte man eine wahrheitsgetreue Darstellung der damaligen Agitation der Kärntner Slowenen entnehmen. Nationalbewusste Kärntner Slowenen setzten sich kompromisslos im Rahmen des Slowenischen Nationalrates für den Anschluss an Jugoslawien ein und denunzierten die österreichorientierten Landsleute.30  Im Interesse einer Wahrheitsfindung  hätte man im Vorfeld der 100-Jahrfeier diese Dokumentation auswerten müssen. In der Kulturabteilung (Vorstand: Igor Pucker) fehlte es dafür an Interesse.

Es war zu erwarten, dass in der Landesausstellung die „Slowenischsprachigen“ näher definiert werden. Jeder halbwegs informierte Kärntner weiß, dass innerhalb der „Slowenischsprachigen“ eine unversöhnliche historische Gegnerschaft vorherrscht. Die einen nennen sich „Slowenen“ und die anderen „Windische“. Im slowenischen Internet-Lexikon Wikipedia wird diese feindselige Abgrenzung wie folgt verständlich gemacht: „Die Kärntner slowenische Seite hat das Resultat der Volksabstimmung offensichtlich schockiert und sie konnte sich lange nicht damit abfinden. Innerhalb der slowenischen Volksgruppe (laut Original: Volksgemeinschaft) begann man mit gegenseitigen Vorwürfen, Streitereien und Ausgrenzungen. Jene Slowenen, die aus eigenem Ermessen für Österreich gestimmt haben, wurden zunehmend als Volksverräter behandelt und sie wurden für die Niederlage verantwortlich gemacht. Damit hat man sie ungewollt und unberechtigt in das sogenannte windische Lager getrieben“.31
Im Jahr 2020 wäre es höchste Zeit, dass das Land Kärnten dieses strittige Thema in der Landesausstellung offenlegt und  eine Aussöhnung einleitet. Diese Unterlassung kann nicht genug verurteilt werden. Im Abschnitt der „breiten Reflexion über die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft des Landes“ der Landesausstellung kommen versöhnende Gedankengänge leider nicht vor.

Die Ausstellung Sloweniens zum Thema Abwehrkampf/Volksabstimmung „Za zmeraj gre“ (gezeigt im Kärntner Landesarchiv) thematisiert auch die Windischen am Beispiel von beschlagnahmten Briefen von Abwehrkämpfern zwischen Dezember 1919 und März 1920: „Die Briefe jener slowenischen Kärntner, die in das Lager der Deutschfreundlichen bzw. Deutschtümler wechselten, beweisen deren Gegnerschaft gegenüber dem  Königreich SHS und die Feindschaft zu den (slowenischen) Volksgenossen bzw. den Einheimischen, die Anhänger des jugoslawischen Staates sind“.32
Der slowenische Generalkonsul Jožef Jeraj stellte im Oktober 2000 im Zusammenhang mit der verlorenen Volksabstimmung 1920 und dem relativ niedrigen slowenischen Nationalbewusstsein fest, dass das Windischentum- die kärntentreuen Slowenen- bereits sehr verbreitet war. Die Festigung der Kärntner Identität schade unmittelbar der slowenischen Identität.33    

Diese Spaltung der Südkärntner Bevölkerung belastet seit der Volksabstimmung 1920 bis heute nachweislich das Klima in Südkärnten. Das Land Kärnten hätte im Jahre 2020 eine Versöhnung mit Unterstützung der Konsensgruppe bewirkten können bzw. bewirken müssen.
In diesem Zusammenhang wird auf den Aufsatz „Zur Geschichte der Kärntner Windischen“ in Erinnerung  hingewiesen.34

Zum Thema „Spaltung“ erscheint es lehrreich, die Worte des Bundespräsidenten Alexander von der Bellen anlässlich des Nationalfeiertags 2021- obzwar in einem anderen Zusammenhang – in Erinnerung zu rufen: „Und es tut mir in der Seele weh, zu sehen, wie gespalten wir sind. Ein Riss ist durch das Land gegangen. Wir müssen diesen Riss heilen. Und wir werden diesen Riss heilen. Wir werden ihn aber nur dann heilen, wenn jede und jeder von uns einen Schritt auf den anderen und die andere macht. (…) Sehen wir doch das Gute im jeweiligen anderen. Und das gibt es. In jedem Menschen. Nur wenn wir wieder lernen, dieses Gute im anderen zu sehen, haben wir eine Chance, den Riss zu heilen. Gehen wir aufeinander zu!“.35 Die Worte des Bundespräsidenten waren zwar der derzeitigen politischen Spaltung im Staat gewidmet. Sie sind aber auch auf die Kluft in Kärnten, die der völkische Nationalismus verursacht hat, anwendbar. Dieser völkisch-nationale Riss kann nur heilen, wenn wir aufeinander auf dem Boden eines Kärnten- und Österreichbewusstseins zugehen. Eine nachhaltige Aussöhnung wäre aber nur auf der Grundlage von Wahrheit und Erinnerung denkbar. Die Notwendigkeit eine Inner-Kärntner Aussöhnung zwischen den Slowenen und den Windischen haben die „einsprachigen“ Verantwortlichen der Landesausstellung  natürlich nicht erkannt. Die slowenischnationalen Experten lehnen eine Aussöhnung aber ab, man versucht, die indigenen windischen Gegner zu ignorien, zu verschweigen. Dass diese slowenischnationale Praxis auch die offizielle Landesausstellung übernommen hat, beweist, dass die Ausstellung nicht aus der neutralen Perspektive des Landes Kärnten konzipiert worden ist. 

Bei unserer zukünftigen Kärntner Identität wurden die Kärntnerinnen und Kärntner mit Migrationshintergrund nicht thematisiert. Muamer Becirovic, ein Student mit bosnischen Wurzeln: „Obwohl der Anteil der Bevölkerung mit Migrantengeschichte immer größer wird, vermag es die politische Elite nicht, eine gemeinsame Identität zu schaffen. Wir erreichen die Herzen und Köpfe der Menschen mit Migrationsgeschichte nicht. Vielmehr erreichen wir das vollkommene Gegenteil“.36   

Die Landesausstellung sollte nicht die halbe, sondern die ganze Wahrheit vermitteln. Ohne Wahrheit kann es keine Versöhnung geben. Allerdings wird die Versöhnung in der Ausstellung sowieso nicht thematisiert. Auch an eine Überwindung des völkischen Nationalismus dachten die politischen Planer der Landesausstellung nicht.

5. Wirtschaftsvergleiche (!) mit Slowenien werden angestellt
5.1. Aus gegebenem Anlass wäre es logisch, mit Slowenien nicht Wirtschaftsdaten, sondern die Minderheitensituation vergleichend darzustellen.
– Im Jahre 1910 gab es in Slowenien 100.000 Deutschsprachige und in Kärnten 80. 000 Slowenischsprachige. In Kärnten wird die Zahl der Slowenischsprachigen je nach nationalpolitischer Argumentation zwischen 6.000 und 50.0000 angegeben. In Slowenien erfolgte „die Vernichtung der deutschen Minderheit“. Im kommunistischen Jugoslawien, aber auch im heutigen Slowenien, gab und gibt es sogar massive Bestrebungen, „ihre Spuren zu löschen und sie in Vergessenheit geraten zu lassen“, berichten slowenische Historiker.37 In Slowenien gelten die Deutschsprachigen daher als Minderheit bzw. Volksgruppe als nicht (mehr) existent.
– Aus Slowenien wurden in den Jahren 1945-1946 insgesamt 9.474 Volksdeutsche ausgesiedelt. Die Zahl sei wesentlich höher, da minderjährige Personen in der Statistik nicht berücksichtigt worden sind.38 Aus Kärnten wurden im Jahre im Jahre 1942 917 Angehörige der slowenischen Minderheit ausgesiedelt.
– In Kärnten wird der 100. Jahrestag der demokratischen Volksabstimmung 1920 gefeiert. In Slowenien ist General Rudolf Maister, der die Volksabstimmung 1920 mit blutiger Gewalt verhindern wollte, ein Staatsfeiertag gewidmet.
– Vergleichbar mit der Kärntner Volksabstimmung 1920 wurde in Slowenien im Jahre 1990 ebenfalls über die Zugehörigkeit zu Jugoslawien abgestimmt. Die Abstimmung ergab eine große Mehrheit für die Abtrennung von Jugoslawien. Wie ging Slowenien mit Bürgern um, die mit Jugoslawien und nicht mit Slowenien sympathisiert hatten?
25. 671 Personen mit Wohnsitz in Slowenien entschieden sich nicht unverzüglich für die slowenische Staatsbürgerschaft. Diese Nicht-Slowenen wurden am 26.2.1992 in eine besondere Liste eingetragen und verloren damit den Status der Staatsbürgerschaft und des ständigen Wohnsitzes in Slowenien. Damit verloren sie das Eigentum, ein Schulbesuch war nicht mehr möglich, es gab für sie keine Krankenversicherung usw. Regierungschef war damals der spätere Europa-Politiker Lojze Peterle.  Diese „Ausgelöschten“ (izbrisani) mussten Slowenien verlassen bzw. wurden mit dieser Maßnahme zwangsweise ausgesiedelt. Viele suchten mit wenig Erfolg Hilfe bei europäischen Institutionen.39
In Kärnten wurden nach der Volksabstimmung 1920 den Kärntner Slowenen restriktiv Minderheitenrechte zuerkannt. Die Verhandlungen um eine slowenische Kulturautonomie scheiterten. In Slowenien wurden nach der Volksabstimmung  1990 Bürger nicht-slowenischer Volkszugehörigkeit staatenlos, rechtlos und sie verloren ihren ständigen Wohnsitz in Slowenien.

6. Auf der (einseitigen) Suche nach Erinnerung
Bei der „Suche nach Erinnerung“ werden in der Landesausstellung europäische Vorgaben missachtet. Faschistische und kommunistische Regime müssten als gemeinsames Erbe anerkannt und es wäre eine ehrliche und tiefgreifende Debatte über deren Verbrechen zu führen. Dann werde Europa erst vereint sein. So urteilt bekanntlich das Europäische Parlament.
Unter dem Titel „Gedenkstätten/Mahnmal“ heißt es in der Landesausstellung: „Es sollte bis in die 1990er Jahre dauern, dass sich erste zivilgesellschaftliche Initiativen der vielen vergessenen NS-Opfer annahmen und ihnen ihren Namen zurückgaben“. Die kommunistischen Opfer werden aber in der Landesausstellung nicht thematisiert. Die Massenmorde an Kriegsgefangenen und Zivilisten, die vom Tito-Regime angeordnet oder ausgeführt worden sind, seien aber das größte Verbrechen in Friedenszeiten auf slowenischem Boden aller Zeiten. Es sei dies das größte Morden von unbewaffneten Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz Europa. Man müsse daher alle Totalitarismen kritisieren, dies bedeute nämlich „eine Rückkehr in die europäische Zivilisation“, so der renommierte slowenische Historiker Jože Dežman.40

In der Ausstellung wird (zu recht) kritisiert, dass im heutigen Slowenien schon im Jahre 1945 ein Denkmal für die Opfer des Konzentrationslagers Loibl-Süd errichtet worden ist, während auf österreichischer Seite erst im Jahre 1995 entsprechende Schritte gesetzt worden seien. Dass aber in Slowenien im Jahre 1945 (slowenische) Konzentrationslager existierten, wird in der Ausstellung verheimlicht. Der slowenische Geheimdienst richtete nach dem Zweiten Weltkrieg in Slowenien acht „Konzentrationslager“ ein. Das größte befand sich bei Pettau, in dem 8ooo bis 10.000 Angehörige der deutschen Minderheit eingesprerrt waren. Viele, vor allem Kinder, starben in den Lagern an Hunger, viele wurden aber umgebracht. Im Jahre 1945 soll es in den Konzentrationslagern rund 80.000 Menschen gegeben haben. Von dort wurden sie zu den Hinrichtungsstätten gebracht. Die Konzentrationslager wurden offiziell im Jahre 1945 geschlossen, inoffiziell geschah dies im Jahre 1952, einige Konzentrationslager waren aber noch in den 1970er Jahren in Betrieb.41

Den Tito-Partisanen sei es aber mit dem Einsatz von brutaler Gewalt gelungen, ihre Verbrechen zu verheimlichen, betonen Historiker. Auch die Landesausstellung verschweigt die kommunistischen Verbrechen. Die mit Unterstützung des kommunistischen Geheimdienstes UDBA verübten Sprengstoffanschläge der 1970er Jahre bleiben auch unerwähnt.42

Somit schildert die Ausstellung nur die halbe Wahrheit. Das ist aber für eine Landesausstellung zu wenig. Dafür gibt es verzichtbare Themen wie „Reindling gefällig?“ oder halblustige „Sprachspiele“, die auf die Zweisprachigkeit eingehen sollen.

6.1. Perschmann (Peršman) und andere Denkmäler…
Es wird kein Versuch unternommen, im Zusammenhang mit dem strittigen Perschmann-Denkmal den Vorwurf einer Geschichtsfälschung von einer Wahrheitskommission wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Der informierte ehemalige Bürgermeister Franc Jožef Smrtnik zur Perschmann-Frage: „Über den Peršmanhof gibt es viele Varianten. Ich muss sagen, es wurde auch schon sehr viel darüber geschrieben, diskutiert und eruiert. Es wurde ein Verbrechen begangen, sage ich. Was genau die Ursache war, wie es passierte und wer schuld war, muss ich sagen, sollte nebensächlich sein“.43 Für die Landesausstellung dürfte aber die Ermttlung der historischen Wahrheit nicht „nebensächlich“ sein. Denn ohne Wahrheit gibt es keine Versöhnung. Und ohne Versöhnung ist die Alpen-Adria-Region keine Friedensregion.
Die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission, die unter dem Vorsitz des kürzlich verstorbenen anglikanischen Erzbischofs Desmond Tutu für eine Aufarbeitung der Geschichte des Apartheids-Regimes zwischen 1960 und 1994 sorgte und damit maßgeblich zur nationalen Versöhnung  des Landes beigetragen hat, könnte dabei als Vorbild dienen.

Betreffend die Partisanendenkmäler gibt es in Slowenien, und zweifellos auch in Kärnten, extreme Auffassungsunterschiede. Die „Partisanendenkmäler am Beispiel Ebental“ erinnerten an „widerständige Frauen und Männer“ (Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer). „Ehrendenkmäler“ werden sie in der Landesausstellung  bezeichnet.
„Wohin mit den Denkmälern der Verbrecher? Mein deutscher Kollege berichtete mir, dass sie dort nach dem Krieg konsequent alle Denkmäler von Nazi-Größen vernichtet hatten. Denkmäler für jene, die bei uns den Bürgerkrieg zur Zeit der Okkupation und mehr als 600 Massengräber verschuldet haben, stehen aber bei uns noch immer“, formuliert der slowenische Historiker Peter Starič.44 Die Tito-Kommunisten hätten niemals die tatsächliche Befreiung des slowenischen Volkes, sondern eine sowjetische Republik bzw. eine Diktatur nach stalinistischem Vorbild angestrebt. Die Partisanenbewegung habe daher primär die Zivilbevölkerung  verfolgt. Niemand sei wegen der Ermordung von Frauen und Kindern oder Roma-Familien zur Verantwortung gezogen worden. Obwohl die Partisanentäter vom kommunistischen Regime geschützt worden seien, konnten sie vor dem eigenen Gewissen nicht flüchten: „Viele wurden zu Alkoholikern, es gab zahlreiche Selbstmorde bzw sie litten unter der so genannten Partisanen-Krankheit. Dušan Pirjevec – Ahac hat beispielsweise, als er schwer krank im Krankenhaus gelegen ist, die Ärzte und Krankenschwestern angeschrien und konnte sich nicht beruhigen. Einer jungen Krankenschwester aus Črnomelj beichtete er, dass er wegen der Verbrechen, die er begangen hatte, leide. Er bat um einen Priester. Das Regime erfüllte ihm den Wunsch nicht. Es schickte ihm den Psychiater Lev Milčinski. Pirjevec lehnte laut der Krankenschwester den Psychiater ab“. 45 Pirjevec zählte als Politkommissar des Westkärntner Verbandes, Sekretär des Kärntner Abschnittkommandos und Mitglied der OF-Führung bereits während des Krieges zum Führungskreis der Kärntner Partisanen. In einer politischen Beurteilung wird er als einer der wichtigsten OZNA-Funktionäre (also des kommunistischen Geheimdienstes, allgemein auch als UDBA bezeichnet) Landesleiter der OZNA für Kärnten und „gefährlichsten“ Exponenten der jugoslawischen Annexionspläne in Kärnten nach 1945 bezeichnet. Er sei der Hauptverantwortliche für die gesamten Verschleppungen in Kärnten anzusehen. Gemeinsam mit Karel Prušnik-Gašper soll er laut einem Bericht der Erhebungsabteilung alle Erschießungen angeordnet haben.46

Unter dem Titel „Partisanengrabdenkmäler am Beispiel von Ebental“ heißt es wörtlich. „An mehr als 50 Plätzen wird in Kärnten gefallener Partisanen und Partisaninnen gedacht. (…) Diese Gräber und Denkmäler wurden immer wieder auch Ziel von Zerstörungen und Sprengungen, wie dieses in Ebental. (…) Unmittelbar nach seiner Errichtung im Jahr 1971 wurde das Denkmal drei Mal geschändet und auch im Gemeinderat bekämpft. (…) Die Schändungen standen meist in engem Zusammenhang mit Kontroversen in der Minderheitenpolitik und drückten Kritik an vermeindlich minderheitenfreundlichen Maßnahmen aus“.47 Unter dem Titel „Geschändete Grabdenkmäler“ wird in der Ausstellung von „vandalistischen Übergriffen auf Partisanen-Grabdenkmäler“, womit an die „Kämpfer und Kämpferinnen für ein freies Österreich erinnert wird“, berichtet.
Damit dürfte die offizielle Landesausstellung eine unglaubliche Geschichtsfälschung enthalten.
Dies betrifft nicht nur die unausgewogene Einschätzung der Rolle der Tito-Partisanen. Dass die Tito-Partisanen primär für ein stalinistisches Jugoslawien, einschließlich Südkärntens, kämpfen wollten, gehört zum heutigen Geschichtsverständnis. Aber auch die Täter von vandalistischen Übergriffen auf Denkmäler (Sprengstoffanschläge) sind bekannt – soweit diese bisher aufgeklärt werden konnten. Mittlerweile zugängliche, offizielle Dokumente des slowenischen Geheimdienstes UDBA beweisen, wer als Drahtzieher der Anschläge auf Partisanendenkmäler die Fäden zog, nämlich: „die operativen Mitarbeiter des für Kärnten zuständigen Podcenters Sora der UDBA-Stelle in Maribor. (…) Diesbezüglich gibt die nach dem Sprengstoffanschlag in Völkermarkt von der UDBA eingeleitete Untersuchung Aufschluss, in der der Mariborer SDV-Mann Peter Božič erklärte, des Öfteren Autolacke nach Graz transportiert und einen Koffer ähnlichen Inhalts bereits vor Jahren am Bahnhof in Klagenfurt deponiert zu haben“ (…) Vom 9. Oktober 1970 bis zum 9. November 1971 listete das Bundesministerium für Inneres unter Heranziehung von Ermittlungsergebnissen der Sicherheitsdirektion für das Bundesland Kärnten 18 Aktionen auf (von der Platzierung eines Sprengkörpers beim Abwehrkämpferdenkmal in Strau bei Ferlach bis zur Attacke auf die Partisanengrabstätte auf dem Friedhof in Ebenthal), für die nach Ansicht der Kärntner Sicherheitsorgane slowenische Extremisten als Täter in Frage kamen“.48
Auch der bedeutendste slowenische UDBA-Forscher, Igor Omerza, beschäftigte sich mit den kriminellen Ereignissen in Kärnten. Seiner Ansicht nach habe der 1972 abgesetzte slowenische Regierungschef Stane Kavčič den inneren Antrieb des kommunistischen Regimes am Beispiel des Völkermarkter Sprengstoffanschlages am besten dargelegt. Man wollte damit die Temperatur in Kärnten erhöhen und indirekt auch die jugoslawisch-österreichischen Beziehungen verschärfen. Attentate in Kärnten könnten ein Pogrom gegen die Slowenen auslösen, dann würde Jugoslawien seine Stimme zu deren Verteidigung erheben und die sogenannte äußere Gefahr aufbauschen. Damit könnte das kommunistische Regime die inneren Probleme leichter bewältigen. Omerza stellte die Frage, ob die obersten politischen Chefs Krieg spielen wollten. Er zitierte aus einem UDBA-Dokument, wonach „für bestimmte Ziele, die eine Diversitantentätigkeit erfordern, spezielle operativ technische Mittel nötig sind, die eine Zerstörung oder das Niederbrennen eines bestimmten Objektes und die Ausschaltung oder Liquidierung (= Ermordung) einer bestimten Person ermöglichen. Zu diesem Zweck verwendet man spezielle Sprengminen, Brandminen, Spezialwaffen und Mittel für die feine Diversion“. Der Leser möge sich selbst ein Urteil bilden. Die Dokumente sprechen eine deutliche Sprache und bezeugten zur Genüge, „in welch verrücktem und gefährlichem Staat wir gelebt haben“, so Omerza.49  Warum verschweigt die Landesausstellung die wahren Sprengstoffattentäter?

In Slowenien werden Denkmäler für Partisanenopfer errichtet. In Kärnten gibt es davon ein einziges auf dem Domplatz in Klagenfurt. Diese bescheidene Gedenktafel wird von titoistischer Seite angefeindet und findet auch in der Landesausstellung keine Erwähnung. Der Text lautet: „Zum Gedenken an die während und nach dem Zweiten Weltkrieg von Partisanen verschleppten und ermordeten Kinder, Frauen und Männer. Wir wollen nicht vergessen, damit Gleiches nie wieder geschieht“.
Ohne eine geschichtliche Aufarbeitung kann es aber keine Versöhnung geben. Die „Versöhnung“ wird in der Landesausstellung nicht thematisiert.
Die Kärntner Konsensgruppe versuchte eine versöhnende Geste zu setzen, indem sie in Völkermarkt ein Denkmal für Abwehrkämpfer und Kämpfer um die Nordgrenze errichten ließ. Die oft ausgezeichnete Kärntner Konsensgruppe bleibt in der Landesausstellung unerwähnt.
Es ist daher verständlich, dass der Historiker Marjan Sturm (Kärntner Konsensgruppe) zum Thema „Die Bedeutung der Erinnerung- und Versöhnungskultur in Kärnten“ zu folgendem Schluss kommt: „Wir leben in einer Zeit der Konfrontation und Polarisierung (…). Es scheint, dass dabei die Kräfte des Dialoges auf verlorenem Poaten stehen und die Kräfte der Konfrontation im Vormarsch sind“.50

6.2. Maja Haderlap.
Maja Haderlap erzählt in ihrem Buch „Engel des Vergessens“ die Geschichte „eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. (…) Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten“ (Cover)51. Die andere Seite, also die Täterrolle der Tito-Partisanen und ihre „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ sowie die Partisanenopfer im und sogar nach dem Zweiten Weltkrieg werden nicht erwähnt.52 Hinsichtlich Wiedergutmachung und Opferrenten denkt die „kritische“ Schriftstellerin nur an die NS-Opfer, den Partisanenopfern wird kein Mitgefühl entgegengebracht. Die Dichterin erinnert daran, dass sich die Gestapo-Leute als Partisanen verkleidet haben und die slowenische Sprache ihr Deckmantel gewesen sei. Dass auch Partisanen in deutschen Uniformen Verbrechen begangen haben wird entsprechend der einseitigen Geschichtsbetrachtung unerwähnt gelassen.53      
Die wahre Rolle ihrer Familie zur Zeit des Kärntner Abwehrkampfes und der Volksabstimmung 1920 kommt nicht zur Sprache: Vor der Volksabstimmung agitierte das Elternhaus vlg. Vinkl antiösterreichisch für den Anschluss an Slowenien (Jugoslawien). Vekoslav Haderlap, vlg. Vinkl in Leppen, war Gründungsmitglied des örtlichen slowenischen Volksrates, der unter der Führung von General Rudolf Maister für die jugoslawische Propaganda in diesem Gebiet zuständig war. Karl und Miha Haderlap aus dem Hause vlg. Vinkl waren Mitglieder des pro-jugoslawischen, geheimen, paramilitärischen Burschenverbandes („fantovska zveza“), der von Kärntner Seite als „Prügelbande“ bezeichnet worden ist.54 In der Vergangenheit  erklärte die Dichterin, dass ein Großteil der Kärntner Slowenen auch nach 1945 für Jugoslawien eingetreten sei.55 Es ist daher verständlich, dass nationalbewusste Kärntner Slowenen, wie die Vorfahren der Schriftstellerin, die Volksabstimmungsfeiern abgelehnt haben.
Bei einer Podiumsdiskussion im Burgtheater mit Martin Kušej am 5.10.2020 teilte Haderlap hingegen mit, dass die Kärntner Slowenen noch bis vor wenigen Jahren aus den Volksabstimmungsfeiern ausgesperrt (sic!) gewesen seien. Dabei sei der Anlass für die Feiern, „dass sich die Slowenen für Österreich entschieden haben“. Obwohl  die Slowenen damals eine „unglaublich fortschrittliche Entscheidung für das Zukunftsmodell der Republik Österreich getroffen hätten, seien sie danach ständig unter Rechtfertigungsdruck gestanden“, so Haderlap im krassen Gegensatz zu ihrer eigenen Familientradition.56  

6.3. „Gesichter und Geschichten“
„Acht Menschen kämpften mit aller Kraft dafür, dass ihre Heimat zu Jugoslawien kommt, die anderen acht kämpften mit allen Mitteln, dass Kärnten bei Österreich bleibt. Frauen und Männer unterschiedlicher Herkunft, später Opfer und Täter des Nationalsozialismus, arbeiteten gemeinsam für ein Ziel“, so die Landesausstellung.
Es ist dies ein Beispiel von vielen, die auf eine betont einseitige Information schließen lassen:  Die Opfer und Täter des NS werden betont, die Opfer und Täter der Tito-Partisanen werden verschwiegen. Die Angreifer /Aggressoren, also die Maister-Kämpfer, werden auf dieselbe Ebene gestellt wie die Widerstand (Notwehr) leistenden Opfer, die Abwehrkämpfer.
Von den acht Menschen, die mit aller Kraft dafür kämpften, dass ihre Heimat zu Jugoslawien kommt, waren fünf aus Kärnten. Sie waren die eifrigsten Unterstützer des Besatzers Rudolf Maister.  
Beim Janko Brejc-Text ist im letzten Absatz vom „verlorenen“ Plebiszit die Rede. Im deutschen Text wurde dieser Absatz (absichtlich?) weggelassen.  

7.„Bewege!Zukunft. Spremeni prihodnost!“

Kärnten wurde als eine europäische Zukunftsregion angekündigt. Die Landesausstellung entspricht dieser Vision nicht!

Die Mobile Ausstellung sei eine „Zeitreise durch hundert Jahre Kärntner Geschichte mit Ausblick in die Zukunft“, so Igor Pucker. Pucker „Was uns am meisten wehtut, ist, dass wir die Schulen nicht erreichen“.57
Da aber zentrale historische Fakten fehlen und beim Ausblick in die Zukunft auf die österreichische und europäische Perspektive verzichtet worden ist, war das Fernbleiben der Schulen nicht unpädagogisch. Wie hätten im Übrigen die Lehrer den zweisprachigen Schülerinnen und Schülern die Übersetzungsfehler verständlich gemacht?

 

 

 

1 Helmut Konrad: „Ich habe nie einen Kärntneranzug besessen“. Quelle: Einführung, Überblick, Reflexionen zum neuen Landesausstellungsformat, Carinthija 2020, S. 83; Die Umsetzung der Ausstellung soll ein Team um Helmut Konrad, Wilhelm Wadl, Brigitte Entner und Alexander Vernik ausgearbeitet haben (KZ, 20.7.2020, S.16).

2 Kleine Zeitung, 21.6.2020, S. 18, 19, 50, 53; Kronen Zeitung, 21.6.2020, S. 1, 22, 23.

3 Die Symposien der Hermagoras dienten beispielsweise den nationalen Minderheiteninteressen. Die effektive Sprachplanung wird sogar am strittigen, separatistischen Beispiel Kataloniens demonstriert. Quelle: Kleine Zeitung, 29.6.2020, S. 2, 3.

4 Kronen Zeitung, 6.9.2020, S. 48, 49; bezahlte Anzeige.

5 volksgruppen.orf.at/slovenci, 30.6.2016.

6 Im Projektauftrag des Landes hieß es wörtlich: „Der 10. Oktober 1920 ist dafür das anlassgebende Ereignis, nicht aber das alleinige (!) Thema“. Quelle: GZ:06-LAB-31/17-2018, 22.1.2018. Auftraggeber: Kulturreferent Christian Benger.

7 https://volksgruppen.orf.at/slovenci/stories/3052313/, 9.6.2020.

8 Novice, 2.2.2018, S. 6, 9; siehe auch: Peter Fritz, Kärntner Landesausstellung 2020, in: Geschichtsverein für Kärnten, Bulletin, erstes Halbjahr 2016, S. 101, 102.

9 KZ, 1.4.2017, S. 38; Der Kärntner, September 2016, S. 3, 4, 5.

10 Kronen Zeitung, 22.4.2017, S. 20; KZ, 23.4.2017, S. 20.

11 Kronen Zeitung, 6.4.2017, S. 22.

12 Landesausstellung 2020, Grobkonzept, Stand März 2017, S. 7.

13  Wilhelm Kuehs, Macht. Hegemonie. Geschichtsschreibung, in: Dispositiv Kärnten/Koroška oder Das andere Land, Klagenfurt 2020; S. 64 ff.
 Autoren: Ute Holfelder, Wilhelm Kuehs, Ute Liepold, Bernd Liepold-Mosser, Roland W. Peball, Klaus Schönberger.

14 Nedelja, 15.8.2021, S. 2.

15 https://kaernten.orf.at/stories/3059664/, 27.7.2020; Kronen Zeitung, 28.7.2020, S. 18.

16 Prospekt: Mobile Ausstellung des Landes Kärnten im Jubiläumsjahr, 23.-01.11.2021, St. Veit/Glan.

17 Landesausstellung: Originaltext.

18 https://volksgruppen.orf.at/slovenci/stories/3054448/, 23.6.2020.
Diese europäische pazifistische Strategie führte unter den Historikern in Slowenien zu einer feindseligen Lagerbildung zwischen den antikommunistischen Befürwortern (z. B.: Jože Možina und Tamara Griesser Pečar) und den linksgerichteten Gegnern (z. B.: Božo Repe und Aleš Gabrič) der Entschließung. Den betont antikommunistischen Historikern wird „die Rehabilitation von Kollaborateuren des Zweiten Weltkrieges“ zum Vorwurf gemacht.

19 Siehe dazu: Jože Dežman, Hanzi Filipič, Heisse Spuren des Kalten Krieges, Klagenfurt,
Hermagoras 2013, S. 13. „In Slowenien dauerten die Massenmorde an Kriegsgefangenen und Zivilisten, die in Europa als die schlimmsten nach dem Zweiten Weltkrieg gelten, bis Ende Juni 1945. In Slowenien wurden in den vergangenen Jahren mehr als 600 bis dahin unbekannte Hinrichtungs- und Grabstätten mit wahrscheinlich mehr als 100.000 Getöteten lokalisiert. Mehr als 14.500 Slowenen wurden 1945 ohne Gerichtsverfahren getötet“.

20 Vergleiche dazu: Arten der Geschichtsfälschung. Quelle: https://wikipedia.org/wiki/Geschichsf%C3%A4lschung, Abruf: 7.11.2021.

21 https://www.scnr.si/odgovori-lanice-sveta-scnr-dr-tamare-griesser-…, Abruf, 21.8.2020
Dazu die Geschichtsprofessorin Tamara Griesser Pečar: „Faktum ist, dass Slowenien als einziger Staat der EU auf der staatlichen Ebene den Kommunismus nicht verurteilt hat. In Deutschland wurden Mitarbeiter des Geheimdienstes Stasi aus öffentlichen bzw. staatlichen Stellen entfernt. In Slowenien gab es keine Lustration. Richter, die ehemals politische Urteile gefällt haben, amtieren noch immer. Und auch Journalisten, die ihnen applaudiert haben, schreiben noch immer Leitartikel. (…) Die Geschichtsschreibung ist tatsächlich ideologisch vollkommen zweigeteilt. Leider gibt es in Slowenien unter Historikern, die unterschiedliche Positionen vertreten, keine Diskussion, was im Westen üblich ist“.

22 https://www.casnik.si/domobranska-prisega-ne-more-biti-sama-po-s…, 21.6.2020. Autor: Tomaž Erzar.
Die betont linksorientierten Historiker werden als „offizielle Partisanen- und Parteihistoriker“ und Verfechter des ehemaligen titoistischen Regimes gebrandmarkt.

23 https://www.scnr.si/izjava-zavoda-za-o-ivitev-civilne-dru-be-ki-se…, 3.2.2011,  Abruf, 22.8.2020.
Eine Historikerkommission des Studienzentrums für nationale Versöhnung Sloweniens übermittelte im Jahre 2011 an die Europäische Kommission auftragsgemäß folgenden Situationsbericht: „An den Universitäten unterrichten noch immer Historiker, die als Handlanger der Kommunistischen Partei tätig waren. Beispielsweise waren sie in der Geschichtskommission des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei aktiv bzw. sie vertreten nur eine etwas modifizierte Geschichtsschreibung des vorigen Regimes. Diese Historiker erziehen künftige Lehrer und Professoren (Verherrlichung des Volksbefreiungskampfes, Leugnung der kommunistischen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg usw.)“. Die dominante Geschichtsschreibung sei daher mit einer linken oder kommunistischen Schlagseite belastet.

24 https://volksgruppen.orf.at/slovenci/stories/3054726/, 24.6.2020.
Wissenschaftlich-inhaltliches Kernteam und weitere Experten: Nadja Danglmaier, Werner Drobesch, Stefan Karner, Helmut Konrad, Peter Nageler, Kathrin Stainer-Hämmerle, Wilhelm Wadl, Verena Winiwarter, Werner Wintersteiner, Daniel Wutti u.a. Quelle: Projektauftrag  des Landes, GZ:06-LAB-31/17-2018, 22.1.2018. Auftraggeber: Kulturreferent Christian Benger.

25 Andreas Moritsch: „Es bedurfte einiger Überzeugungskraft, eines „wissenschaftlich“ fundierten semantischen Tricks, die Slowenen glauben zu machen, dass die Landeseinheit eigentlich ihnen zu verdanken sei. (…) Zum 75. Abstimmungsjubiläum ist der wissenschaftlich-semantische Trick gelungen“. Quelle: Die Kärntner Slowenen und die Nation Österreich, in: Austria Slovenica, 1996, S. 66 ff.

26 Novice, 2.10.2020, S. 11. Redakteur: Bojan Wakounig.

27 Novice, 4.12.2020, S. 16. Autor: Bojan Wakounig.

28 Novice, 11.9.2020, S. 12.
Erinnerungskulturen im Grenzraum, Hermagoras 2020, S. 110-114. Herausgegeben von: Daniel Wutti, Nadja Danglmaier, Eva Hartmann; Vorworte: LH Peter Kaiser, slowenischer Staatssekretär Dejan Valentinčič. 

29 Novice, 5.11.2021, S. 9; Nedelja, 14.11.2021, S. 7.

30 Siehe: Josef Lausegger, Der slowenisch-jugoslawische Volksrat (Nationalrat) für Kärnten.
Eine Dokumentation der jugoslawischen Verwaltung in der Zone A auf Basis des Aktenbestandes,
in: Carinthia I 2019, S. 561-601.

31 https://sl.wikipedia.org/wiki/Koro%C5%A1ki_plebiscit, Abruf: 9.10.2017.

32 Text: Ausstellung „Za zmeraj gre“.

33 Jožef Jeraj, Preko Karavank, Tagebuch des slowenischen Generalkonsuls in Klagenfurt : 1992-2000, Ljubljana 2002, S. 87, 352.

34 Josef Lausegger, Zur Geschichte der Kärntner Windischen, in: Carinthia I 2019, S. 697-729.

35 KZ, 26.10.2021, S. 3.

36 KZ, 19.10.2020, S. 7.

37 Vgl.: Die Vernichtung der deutschen Minderheit in Slowenien, in: Jože Dežman/Hanzi Filipič, Heisse Spuren des Kalten Krieges, Hermagoras-Verlag 2013, S. 51. Anm.: Das heutige demokratische Slowenien legitimiert somit die Verbrechen des Nationalsozialismus und des Tito-Kommunismus.

38 Heisse Spuren des Kalten Krieges, S. 56.

39 Sl. Wikipedia.org, Einstieg, 20.6.2016; https://www.rtvslo.si/30-let/pogovori/bavcar-o-izbrisani…, 24.8.2020; Mladina, 4.9.2020, S. 9.

40 Jože Dežman, Hudo zlo iz hudih jam / Terrible Evil from Caves of Evil, Ljubljana 2009, S. 1.

41 Demokracija, 17.6.2021, S. 30 ff; Autor: Anamarija Novak.

42 Vgl. auch LH Peter Kaiser: „Da wurde auch viel Leid von außen hereingetragen, etwa durch die Nazis. Aber es gab auch eigene Ursachen, etwa den Ortstafelsturm“ (Kronen Zeitung, 7.10.2020, S. 20, 21). LH Peter Kaiser: „Erster Weltkrieg, dann Nationalsozialismus mit all seinen Gräueln, hohem Blutzoll, Slowenenvertreibung, Wiederaufbauzeit, manch herbe Rückschläge – ob Ortstafelstreit, (…) es geht aber auch um die Verdienste der Volksgruppe bei der Volksabstimmung 1920, bei der Befreiung Österreichs, im Partisanenkampf…“ (KZ, 9.10.2020, S. 29). Rudolf Maister, die Partisanenopfer, die Verschleppungen und die Udba-Attentate in den 1970er Jahren werden nicht in Erinnerung gerufen.

43 Kärnten liegt am Meer, Klagenfurt 2021, S. 371, 372.

44 Demokracija, 18.6. 2017, S. 9.

45 Jože Možina, Slovenski razkol, Ljubljana 2019, S. 511, 522, 532.

46 Alfred Elste, Michael Koschat, Paul Strohmaier, Opfer, Täter, Denunzianten, Mohorjeva/ Hermagoras 2007, S. 175, 197. Die Historiker zitieren aus dem Tagebuch der Erhebungsabteilung des Landesgendarmeriekommandos für Kärnten: Karel Prušnik-Gašper hasste und verurteilte nicht nur die kärntnertreue Bevölkerung – er ließ Frauen und Kinder deshalb erschießen – sondern hat angeblich auch eigene Partisanen wegen geringfügiger Wachvergehen zum Tode verurteilt und erschießen lassen. Die gegen ihn vorherrschende Stimmung bei der Bevölkerung seines Wirkungsbereiches war äußerst schlecht, da er viele Gehöfte ausplündern bzw. teils durch Brand vernichten ließ und zahlreiche grundlose Erschießungen veranlasste. Seine Stellung als Partisanenkommissar nützte er nicht etwa, wie aus seiner Beschuldigteneinvernahme hervorgeht, um für die Unabhängigkeit Österreichs mit der Waffe in der Hand zu kämpfen, sondern offenbar in der Absicht, unschuldige wehrlose Kärntner, die sich zu ihrer Heimat bekannten, zu beseitigen und einen Teil Südkärntens Jugoslawien einzuverleiben“.

47 Text: Landesausstellung 2020.

48 Titos langer Schatten 2015, S. 234, 235.

49 Igor Omerza, BombenAttentate, Mohorjeva/ Hermagoras 2012, S. 424, 428, 451, 452,

50 Marjan Sturm, Die Bedeutung der Erinnerungs- und Versöhnungskultur in Kärnten. Wahrheit und Vresöhnung als reflexiver Dialog- und Lernprozess, in: Arbeit und Demokratie, ÖGB-Verlag 2020, S. 217.

51 Maja Haderlap, Engel des Vergessens, Göttingen 2011, S. 209, 238, 281.

52 Vgl. dazu: Janko Krištof, Pfarrer in Ludmannsdorf: „Es ist entsetzlich wie noch heute bei Partisanenfeiern gesprochen wird und wie wenig die begangenen Verbrechen bedauert werden“. Quelle: Demokracija, 27.8.2020, S. 8.

53 Am 17.5.2010 wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg der rote Partisan Vasilij Kononov als Kriegsverbrecher verurteilt. Am 27.5.1944 ermordete seine Einheit, gekleidet in deutsche Uniformen, im Dorf Mazie Bati (Lettland)sechs unbewaffnete Männer. Drei Frauen wurden in die brennenden Häuser geworfen, die Bäuerin war im neunten Monat schwanger. Siehe: Josef Lausegger, Slowenische Landeswehr, in: Archivwissen schafft Geschichte, Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, Klagenfurt 2016, S. 757-769.

54 Josef Lausegger, Der slowenisch-jugoslawische Volksrat (Nationalrat) für Kärnten. Eine Dokumentation der jugoslawischen Verwaltung in der Zone A auf Basis des Aktenbestandes, in: Carinthia I, Klagenfurt 2019, S. 561-601.

55 Delo, 15.10.1987.

56 Die Presse, 5.10.2020.

57 KZ, 5.5.2021, S. 56.